Holzschnitt: Jochen Geilen schuf für die gemeinschaftliche Grafikedition mit neun Studierenden ein Plakat mit eigens dafür angefertigtem Druckstock. - © Foto: Maria Frickenstein
Holzschnitt: Jochen Geilen schuf für die gemeinschaftliche Grafikedition mit neun Studierenden ein Plakat mit eigens dafür angefertigtem Druckstock. | © Foto: Maria Frickenstein

Kultur "Die Neunte" ist da

Der Grafiker Jochen Geilen erarbeitete mit neun ehemaligen Studierenden eine schöne Grafikedition in der Hochdrucktechnik

Bielefeld. Seit 2008 besucht der inzwischen emeritierte Professor Jochen Geilen mit Studierenden der Fachhochschule Bielefeld die Deutsch-Niederländische Grafikbörse in Borken. Es ist ein kleiner ideenreicher Kreis, der mit zehn Künstlern nun wieder einmal eine neue Grafik-Edition „Die Neunte“ vorstellt. Rund 20 Jahre arbeitete Jochen Geilen als freier Künstler, dann zehn Jahre als Lehrbeauftragter der FH, bevor er 1995 als Professor die Fertigkeiten für Zeichnung, Illustration und Druckgrafik an Studierende vermittelte. Auch im so genannten Ruhestand ab 2011 blieb der Kontakt zu einigen Studenten eng und die Zusammenarbeit gut. 2010 entstand die erste Grafikedition und es folgten zwei weitere im Kartenformat. Mit dabei waren damals schon Anatoli Budjko, der in Chemnitz inzwischen eine Druckerei für Kunst eröffnet hat. Auch gehört die in Leipzig lebende Grafikerin Irini Mavromatidou seit den Anfängen zum Kern der Grafikbegeisterten. Die Techniken wechselten, auch die Formate. Es folgten weitere Editionen, und stets agierte Jochen Geilen als Herausgeber. Soeben ist der passionierte Grafiker mit den anderen neun Künstlern angeregt zurückgekehrt von der diesjährigen Grafikbörse. Die ästhetische Präsentation und Komposition der Arbeiten stechen in unserer Ausstellung hervor, so Geilen über die klare Linie und den Spannungsbogen der Arbeiten am Stand 53. Der Verkauf war wichtig, sollte jedoch nicht im Vordergrund stehen. „Die Neunte ist eine reine Hochdruckedition“, so Jochen Geilen. In ansprechender Kassette liegen zehn Künstlerhefte mit jeweils vier Arbeiten vor, alle limitiert und signiert. Die Vielfalt der Grafiken bietet einige Überraschungen. Ansprechende kleine Texte, teils poetisch, teils humorvoll und stets einfallsreich, wirken wie ein Tor zu den Bildern des jeweiligen Künstlers. „Ich kann nicht mehr im Hochformat denken“, schreibt Mavromatidou. Katharina Bloch aus Chemnitz und Studentin der Düsseldorfer Kunstakademie schnitt ihre Motive zur Serie „Am Brunnen“ in Linoleum.»Die Spitzmaus springt aus dem Tuscheglas« Lucia Dominguez studiert Kunst in Karlsruhe, Insa Schülting in Düsseldorf. Schültings farbige Linolschnitte zeigen Schmuckstücke, zart, farbig, ungewöhnlich. Budjko widmete sich seinen Werkstattstühlen. Lior Körner lebt in Höxter und gestaltete seine Arbeiten als Holzschnitt. In Frankfurt arbeitet Holger Schulze, der bei seinen Motiven „Stadtleben“ die Maserung des Holzes erkennen lässt. Mit Architektur setzt sich Paula Tietjen aus Berlin in farbigen Schnitten auseinander. Lukas Weiß studiert Kunst in Leipzig und widmet sich dem Thema „Verfolgungsjagd“ mit spezieller Atmosphäre. In einen hölzernen Druckstock stach Jochen Geilen das Logo und druckte zudem drei Plakate für die Grafikbörse. „Vier Momente vorm Abendbrot“ nennt der passionierte Grafiker seine kleine Erzählung in Bildern. „Die Spitzmaus springt aus dem Tuscheglas“, so sein Kommentar zur Maus, die kein Nage-, sondern ein insektenfressendes Säugetier mit Raubtiergebiss ist und beim Sprung einen Tintenklecks hinterlässt. Geilen stach diesen Klecks in Holz und druckte in Rot. Im Übrigen gleiche das Gebiss exakt dem einer Fledermaus, so der Künstler über seinen speziellen „Flaschengeist“. Die nach Moschus riechende Spitzmaus hat es Geilen bereits seit 1970 angetan, als er im Gewölle einer Eule die Knöchlein und das Gebiss einer Spitzmaus fand. Inzwischen fühlt sich der Künstler im neuen Atelier in der Altstadt wohl, wo er seiner Lust am Grafischen frönen kann. Geplant ist bereits die zehnte Grafikedition mit Arbeiten im Tiefdruckver-fahren. ´ Wer möchte, kann „Die Neunte“ mit zehn Künstlerheften bei Jochen Geilen im Atelier, Neustädter Straße 5, (ehemals Galerie Jesse) erwerben, auch die Arbeitshefte einzelner Künstler. Kontakt unter der Rufnummer 5 21 27 09.

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