Mit Gitarre: Der Berliner Klaus Hoffmann unterhielt sein Publikum in bester Liedermachertradition. - © Christian Weische
Mit Gitarre: Der Berliner Klaus Hoffmann unterhielt sein Publikum in bester Liedermachertradition. | © Christian Weische

Kultur Songpoet Klaus Hoffmann machte in der Stadthalle Bielefeld Station

Der Auftritt des Berlin-Enthusiasten wärmt im kalten November

Heike Krüger

Bielefeld. Sie sind in die Jahren gekommen, wie ihr Publikum auch. Herman van Veen, Reinhard Mey, Hannes Wader, sie alle stehen für eine Epoche, für Blicke auf die Welt sogar, die viele in der hektischen Betriebsamkeit des Alltags 4.0 vermissen mögen. Klaus Hoffmann ist auch so ein Vertreter. Mit den poetischen Liedtexten, den metaphernreichen, oft nostalgischen Geschichten, die er gesanglich und auch zwischen den Stücken mit viel Selbstironie vorträgt, versteht er es immer noch, sein Stammpublikum in bester Liedermacher-Tradition zu erreichen."Wir müssen wach sein, müssen sehen" Die Bariton-Stimme fest und mit diesem eigenartigen Timbre, den lang gezogenen Endsilben verbreitet der inzwischen 65-Jährige Wellness-Atmosphäre. Die eckigen Gedankengänge fordern allerdings zum „Nochmal-drüber-Nachdenken“ auf und verhindern ein allzu wohliges Zurücklehnen. Es ist zwar nicht mehr die ganz große Halle, die der Berliner in Bielefeld zu füllen vermag. Dafür bekommt der Konzertabend mit ihm den Anstrich eines gemütlichen Treffens mit Freunden. Konzertbesucher jenseits der 45 dominieren die Szenerie in der Stadthalle, als Hoffmann und seine fabelhafte Band ihre Zeitreise durch die eigene Liedermachergeschichte von den 60er Jahren bis heute anstimmen. „Leise Zeichen“, der Titel der jüngsten CD ist Programm für eine Performance, bei der der Fachmann „für innere Angelegenheiten“ wie immer Worte findet für die kleinen Dinge des Lebens, in denen sich die großen oft spiegeln. Mal präsentiert sich der Sänger in Dandypose, mal als einer, der verpassten Chancen nachhängt oder die Liebe mit Hingabe lebendig hält. Unter dem humorvollen Motto „Glaube, Liebe, Hoffmann“ zelebriert er die Themen, die ihm wichtig sind. Mit der alten Leidenschaft wirbelt Hoffmann im Gitarren-Duett mit Micha Brandt über die Bühne, springt von Jazzmelodie zu Jacques-Brel-Adaption und weiter zur schwungvoll zelebrierten Zigeunerweise, bevor er als abgeklärter Chansonnier seine große Liebe Berlin besingt. Die Stadt, der er immer wieder zu entfliehen versucht, von der er aber nie lassen konnte. Stephan Genze an Schlagzeug und Percussions sowie Peter Keiser am Bass rollen einen stimmigen Klangteppich aus, während Hawo Bleich am Flügel und Gitarrist Micha Brandt mit furiosen Solopassagen immer wieder eigene Akzente setzen. Dazwischen wird erzählt: von Berliner Nachkriegsjahren, den ersten Gehversuchen als Sänger und Schauspieler, von der Reise nach Afghanistan, natürlich von den Frauen. „Die blinde Katharina“ darf nicht fehlen und wird vom Publikum begeistert begrüßt, ebenso wie „In den Kais von Amsterdam“ und der „Kreuzberger Walzer“. Im üppigen Zugabenteil wird später die berührende Hymne an den Schatz, den Kinder darstellen, „Jedes Kind braucht einen Engel“, Platz finden. Die „leisen Zeichen“, die Hoffmann mit seiner aktuellen Platte beschwört, sind keineswegs abgekoppelt von drängenden Zeitthemen: nur dass bei ihm Flüchtlingsstrom und die „Heilsbringer“-Attitüde der AfD poetisch bearbeitet werden: „Wir müssen wach sein, müssen sehen“, heißt das bei ihm. Familiär bedingt – seine Ehefrau Marlene stammt aus dem ostwestfälischen Würgassen – ist der Berliner Barde öfters in der Gegend. Da darf er ruhig ab und zu wieder in Bielefeld vorbeischauen. Den wohlmeinenden Rat eines Kritikers, er möge sich in seinem Alter auf zwei Konzerte pro Jahr beschränken und lieber seine „Millionen in Baden-Badener Kasinos verprassen“ kann er getrost ignorieren. Seine Bielefelder Fangemeinde wird ihm bestimmt die Treue halten. Denn der Berliner hat offenbar noch einiges zu sagen.

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