Strahlende Gesichter: Solist Florian Glemser (l.) und Dirigent Heribert Beissel freuen sich über den großen Beifall nach dem Klavierkonzert. - © Claudia Viotto
Strahlende Gesichter: Solist Florian Glemser (l.) und Dirigent Heribert Beissel freuen sich über den großen Beifall nach dem Klavierkonzert. | © Claudia Viotto

Kultur Klassische Philharmonie Bonn überzeugt mit Beethoven-Abend

Ein furioser Start in die neue Spielzeit der Reihe

Claudia Viotto

Bielefeld. Vor 1.100 Besuchern bot die Klassische Philharmonie Bonn unter Leitung ihres Chefdirigenten Heribert Beissel in der Oetkerhalle einen reinen Beethoven-Abend. Damit startete die Konzertreihe, die in Deutschlands elf größten Konzertsälen stattfindet, in ihre 30. Saison. Den Höhepunkt des Abends bildete Beethovens Klavierkonzert Nr. 3, in dem als Solist Florian Glemser begeisterte. Zum Auftakt bot die Philharmonie die Egmont-Ouvertüre. Mitreißend erklang das Allegro, fein gestaltet nach der Generalpause – dem Tod Egmonts – der „Neuanfang". Im Schlussteil erreichte die Philharmonie in hohem Tempo und Fortissimo zum ersten Mal ihren typischen mitreißenden, schmetternden Klang. Im sauberen, wohlklingenden Zusammenspiel beginnt die Klassische Philharmonie Bonn dann das Klavierkonzert. Die Spannung entlädt sich in großem Applaus und Jubel Aus düsterem c-moll erwächst das Hauptthema mit dem markanten Quartenmotiv, bald in großer Lautstärke. Florian Glemser setzt solistisch am Flügel mit prächtigen Skalenläufen ein und stellt nun ebenfalls das Thema vor. Durch klare Intonation und Sensibilität zeichnet sich der Vortrag des jungen Pianisten aus, der bei Grigory Gruzman an der Franz-Liszt-Hochschule für Musik in Weimar studiert. Im sinfonischen Duett mit dem Orchester übernimmt er feinfühlig die Führung. Souverän interpretiert Glemser die grandiose Kadenz des ersten Satzes. Und mächtig steigern er und das Orchester sich zum Schluss, wobei das Quartenmotiv in fanfarenartigen Rufen des Klaviers wiederkehrt. Glemsers Interpretation des Largo steckt voller Gefühl, ohne jedoch sentimental zu werden. Introvertiert und klanglich gedämpft eröffnet er, und steigt dann in einen innigen Wechselgesang mit dem Orchester ein. Dieses passt sich dem träumerisch-visionären Ton des Solisten gut an. Expressiver agiert dieser im Rondo-Finale. Energisch führt Glemser das keck aufspringende Rondothema ein. Anscheinend macht es ihm Spaß, virtuose Figuren sozusagen aus dem Ärmel zu schütteln. Der an das von der Klarinette angestimmte volksliedhafte Seitenthema anschließende Klavierpart mit perlenden Trillern und Verzierungen wirkt vom Solisten ganz in Glanz getaucht. Rasend schnell spielt er die zweite Kadenz. Das Orchester kann mit ihm mithalten wie die Stretta-Coda zeigt, in welcher beide Partner mit triumphalem Schwung zusammenwirken. Für den umwerfenden Applaus bedankt sich Florian Glemser mit einer Sonate in F von Domenico Scarlatti als Zugabe. Hiernach überzeugte die Klassische Philharmonie Bonn mit der siebten Sinfonie. Im ersten Satz breitet sich erst verhaltene Freude aus. Zum Beispiel im präsenten Dialog der Flöten mit den Geigen, in deren energischer Steigerung oder in quirligen Einwürfen von Oboe und Klarinette steigert sich das Orchester in leidenschaftliche Erregung. Spannend und klanglich nuanciert ertönt der zweite Satz mit dem merkwürdigen, stockenden Marsch, der dem Publikum klangsinnlich nahe gebracht wird. Eilig sprengt das Orchester im dritten Satz voran. Im Finale kommen zur Festlichkeit auch noch Humor und Ausgelassenheit hinzu. Das etwas von einer Jagd, einem Bacchanal und lädt die Hörer zu Bewegung und Spaß ein. Effektvoll wetteifern zuletzt Streicher und Bläser, verschärft von Pauken und Trompeten. Die Spannung entlädt sich beim Publikum in großem Applaus und Jubel.

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