Gut aufgelegt: Ulla Meinecke, Ingo York (l.) und Reinmar Henschke. - © Melanie Gieselmann
Gut aufgelegt: Ulla Meinecke, Ingo York (l.) und Reinmar Henschke. | © Melanie Gieselmann

Kultur Ulla Meinecke in der Neuen Schmiede gefeiert

Das Publikum hat auch nach zwei vollgepackten Konzerthälften nicht genug von dem Pop-Urgestein und den beiden Musikern, die es begleiten

Melanie Gieselmann

Bielefeld. An der Baustelle entlang, hinten rum und durch den Garten: Nur auf Umwegen kamen die Zuschauer in die Neue Schmiede, um der sanften und doch rauen Stimme von Pop-Urgestein Ulla Meinecke und den beiden Multiinstrumentalisten Ingo York und Reinmar Henschke an ihrer Seite zu lauschen. In den 80er Jahren war Ulla Meinecke eine der Vorreiterinnen der deutschsprachigen Popmusik. Doch auch nach 30 Jahren im Geschäft hat die Sängerin, Liedermacherin und Poetin den Spaß an der Musik noch lange nicht verloren. Mit Songs wie „Schlendern ist Luxus", „Ein Schritt vor und zwei zurück" und „Zu alt" begeistert sie noch immer eine stattliche Fangemeinde. Die Wahlberlinerin erzählt an diesem lauen Spätsommerabend Anekdoten und kleine Geschichten zu ihren Nummern, die sie behutsam in ein kunstvolles Geflecht aus Musik, Ironie und Unterhaltung bettet. Mal schonungslos ehrlich, mal samtig weich haucht Ulla Meinecke ihren Liedern Leben ein. Ganz oft handeln sie von Liebe, von zwischenmenschlichen Beziehungen und der Suche nach dem großen Glück. Aber Ulla Meinecke wäre nicht Ulla Meinecke, wenn sie nicht die allzu kuschlige Gefühlsduselei immer wieder ironisch brechen würde – durch ihre Stimme, das Tempo und die Themen. Ein Abend mit „Ulla Meinecke und Band" hat aber trotz reduzierter Besetzung auch musikalisch einiges zu bieten. Denn Ingo York und Reinmar Henschke beherrschen so viele Instrumente, von Keyboard, über Bass und Gitarre, zur Mundharmonika, dass ein ganz besonderes Klangerlebnis das Publikum aus dem Häuschen lockt. Das Schlagzeug teilen sich die beiden Herren an Meineckes Seite. Während York für die Trommeln zuständig ist, kümmert sich Henschke um das Becken. Mit ihren Füßen machen sie so kurzerhand den dritten Musiker, den eigentlich jede Band braucht, überflüssig. Das ist Spielwitz in einer ganz besonderen Form. Doch es sind nicht nur die eigenen Meinecke Songs, die das Publikum berühren und bestens unterhalten. Mit ein paar wenigen, sorgsam ausgewählten, englischsprachigen Covernummern beweist die Sängerin nicht nur die Bandbreite ihrer Stimme, sondern auch, dass sie sich jeden Song zu eigen machen kann, wie Tom Waits’ „Grapefruit Moon" und Marc Cohns „Walking in Memphis", der beim Publikum besonders gut ankommt. Vor 39 Jahren schrieb Ulla Meinecke mit und für ihren Wegbegleiter und Freund Udo Lindenberg „Bis ans Ende der Welt". Ein ganz besonderes Liebeslied, das sie sich, ebenso wie „Die Tänzerin", für die Zugaben aufspart. Denn auch nach zwei vollgepackten Konzerthälften haben die Zuschauer längst noch nicht genug von Meinecke und ihren Mitstreitern.

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