Schwarz Was nichts kostet, taugt nichts!

Das Gedankenspiel ist aktuell in aller Munde: Gratis mit Bus und Bahn in ganz Deutschland fahren soll das stetig steigende Problem der Umweltbelastung verkleinern. Aber hat diese Idee wirklich eine Chance verdient? Unsere Autoren sind da komplett unterschiedlicher Meinung

Lennart Krause

Nein, ein kostenfreier Nahverkehr ist keine gute Idee. Viel eher ist es der missglückte Versuch, Missstände im Land auf einfachem, aber nicht nachhaltigem Weg zu lösen. Dabei wird natürlich mit einem schmackhaften Köder geködert. Wer hat schließlich schon Lust, für den Nahverkehr zu bezahlen, wenn es auch gratis ginge. Ich will es Ihnen sagen: ich! Warum ich dazu gerne bereit bin? Weil alles andere Augenwischerei ist. Das beginnt schon bei der einfachsten Frage: Wie soll sich ein kostenfreier Nahverkehr finanzieren? Schon jetzt werden die Kosten dafür mit 12 Milliarden Euro berechnet. Und das nur, um den Ist-Zustand zu erhalten. Ein ganz schöner Batzen Geld. Notwendige Investitionen sind da aber noch nicht mit eingerechnet. Und genau darin sehe ich die größte Gefahr eines kostenfreien Nahverkehrs. Mit der Begründung, dass schließlich alles umsonst sei, würden zwingend notwendige Investitionen nicht mehr getätigt werden. Schließlich wären das ja Kosten, die nicht wieder eingenommen werden können, da niemand von uns ein Bus oder Zugticket kauft. Dass die Bundesregierung in spe das Thema auf den Tisch bringt, ist nur der verzweifelte Versuch, uns zu blenden, da Antworten auf so gut wie sämtliche Verkehrsfragen der Zukunft fehlen. Denn sind wir mal ehrlich: dass so wenige Menschen permanent mit Bus und Bahn fahren, liegt nicht an den Kosten, sondern daran, dass der Nahverkehr unbequem ist. Ich muss mich an feste Fahrzeiten halten, stehen, wenn alle Sitzplätze belegt sind, Umwege aufgrund der Haltestellen in Kauf nehmen und, und, und. Pendler werden nicht ihr flexibles Auto verlassen, nur weil Bahnfahren gratis ist. Darum sollte man die 12 Milliarden Euro im Jahr, wo sie doch offenbar übrig sind, lieber in die Forschung stecken, damit wir möglichst bald mit schadstofffreien Individualverkehrsmitteln unterwegs sein können. Das würde wirklich die Zukunft verbessern!

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