Weiss Stellt euch nicht so an!

Noch immer ist die winterliche Erkältungswelle nicht abgeebbt. Das ist nicht nur in den vollen Wartezimmern der Arztpraxen, sondern auch bei der Arbeit zu beobachten. Hustend und schnupfend schleppen sich viele Kollegen ins Büro. Unsere Autoren streiten darüber, ob dieses Verhalten nicht falscher Ehrgeiz und eine Gefahr für die Kollegen ist

Magnus Horn

Krank im Büro? Ja, warum denn nicht? Und was heißt hier, bitte schön, krank? Dass man bei den ersten Anzeichen einer Erkältung gleich zu Hause bleibt, ist für mich nicht nachvollziehbar. Eine laufende Nase oder ein Kratzen im Hals, das sich gelegentlich zu einem kräftigen Husten entwickelt, sind keine Gründe, dem Arbeitsplatz fern zu bleiben. Denn halten wir fest: An jedem halbwegs gut organisierten Arbeitsplatz gibt es eine Küche, in der man sich Tee kochen kann – Ingwertee, Kamillentee. Was das Herz begehrt und was die Symptome lindern könnte. Ich selbst mache mir meist einen Früchtetee mit Honig. Schmeckt und hilft. Und wenn man nun Angst hat, Bakterien zu übertragen, darf man auch getrost auf das Händeschütteln, Abklatschen oder was sonst noch auf der Arbeit üblich ist, verzichten. Das Handdesinfektionsmittel liegt auch bei mir notfalls in der Schreibtischschublade. Und dann ist schließlich das Wochenende maximal vier Tage entfernt, an dem man ausschlafen und sich die Ruhe antun kann. Da wird es vorher mal auszuhalten sein, ein bisschen zu husten und sich die Nase häufiger zu putzen. Anstecken wird man seine Kolleginnen und Kollegen nicht, wenn man die beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen einhält. Zudem aber tut der Schnupfler ihnen einen Gefallen, wenn er zur Arbeit kommt. Diese müssen dann nämlich nicht auch noch seine Arbeit übernehmen und können sich ganz auf die ihre konzentrieren. Effizienz heißt das Stichwort in diesem Zusammenhang. Den Chef wird es freuen. Gleichzeitig signalisiere ich damit Durchhaltevermögen und Leistungsbereitschaft und ernte kein Augenrollen von Kollegen, die ein Fernbleiben ebenso wenig nachvollziehen könnten wie ich. Das kann bei späteren Gelegenheiten sicher zu Nachsicht führen und ein Vorteil sein. Nur falls der Kopf vor Erschöpfung tatsächlich auf dem Schreibtisch oder anderswo liegen bleiben sollte und auch die Hand vor dem Mund nicht mehr vor dem Auswurf schützt, geht lieber nach Hause. Andernfalls: Stellt euch nicht so an.

realisiert durch evolver group