Weiss Genau hinschauen

Die Winterspiele in Südkorea sind eröffnet. Seit heute morgen kämpfen die Athleten aus aller Welt in ihren Disziplinen um Medaillen. Natürlich eng begleitet von gleich mehreren TV-Sendern, die die Bilder zu uns nach Deutschland bringen. Aber will die überhaupt noch jemand sehen? Unsere Autoren streiten

Stefan Boes

Ja, ich werde mir die Olympischen Spiele ansehen. Ich freue mich auf Richard Freitag und Andreas Wellinger beim Skispringen, auf Eiskunstlauf mit Aljona Savchenko und Bruno Massot, auf spannende Eishockey-Duelle, auf Curling! Bin ich deswegen ein Ignorant, der vor unbequemen Wahrheiten die Augen verschließt? Ja, vielleicht. Das tut aber übrigens jeder von uns, jeden Tag. Ich sehe mir die Spiele des von 
Korruption durchzogenen IOC und der zum Teil gedopten Sportler an. Weil ich mich wie viele andere für Sport begeistere. Aber auch, weil ich die Hoffnung habe, dass die Fernsehanstalten mir nicht nur die Fassade präsentieren – die Show, das Ereignis, den Wettbewerb. Zeigen mir die Medien nur den schönen Schein, dann schalte auch ich ab. Aber die Recherchen beispielsweise der ARD-
Dopingredaktion um den Journalisten Hajo Seppelt geben Anlass zur Hoffnung, dass die große Bühne der Olympischen Spiele auch eine Gelegenheit bietet. Die Gelegenheit, einem großen Publikum zu zeigen, wie dieses Doping-System funktioniert (und nicht länger funktionieren darf), wie lückenhaft die Anti-Doping-Agentur WADA arbeitet und unter welchen Bedingungen in Pyeongchang diese Spiele überhaupt möglich gemacht wurden. Olympia schauen heißt auch dort hinzuschauen. Olympia schauen heißt aber auch: Anzuerkennen, dass da Sportler sind, die wir nicht mit all den gedopten Betrügern in einen Topf werfen sollten. Natürlich gibt es viele saubere Athleten, die jetzt ein Zeichen gegen den Betrug setzen wollen. Ist es naiv das zu glauben? Nein. Es wäre zu einfach, allen Sportlern Doping zu unterstellen. Für viele Sportler muss es schmerzhaft sein, so hart für seinen Traum von Olympia zu arbeiten, täglich seine Fähigkeiten zu trainieren, um sich dann am Ende den Vorwurf anhören zu müssen: Der oder die war doch eh gedopt. Auch wenn der oft beschworene olympische Geist nach all den unerträglichen Skandalen nicht mehr spürbar ist. Was wäre denn, wenn das olympische Feuer ganz erlischt?

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