Weiss Noten sagen wenig aus

Gestern war wieder Tag der Abrechnung in den Schulen in NRW. Während die einen stolz mit ihren guten Noten nach Hause kommen, müssen andere so manchen Fünfer erklären und um die Versetzung bangen. Aber ist diese Form der Bewertung überhaupt noch zeitgemäß? Kann eine Zahl einen Menschen beurteilen? Unsere Autoren streiten

Anne Wunsch

Noten gehören zur Schule. Das war schon immer so. Aber muss es deshalb für immer so bleiben? Nein. Die Idee einer Schule ohne Noten hat nichts mit Naivität oder Realitätsverlust zu tun. Ganz im Gegenteil. Die Abschaffung der Noten wäre die richtige Vorbereitung auf die Zukunft. Gestern war es also wieder so weit. Auf den Zeugnissen soll eine läppische Note pro Fach die ganzen Mühen des ersten Halbjahres widerspiegeln. Natürlich haben Schüler mit guten Noten allen Grund zur Freude. Sie dürfen zu Recht stolz auf sich sein. Das ändert aber nichts daran, dass unser Schulsystem ungerecht ist, einige Noten-Gegner sprechen auch von Diskriminierung. Denn Noten sind intransparent, subjektiv und schlichtweg nicht geeignet, um den Leistungsstand eines Schüler wiederzugeben. Auf diese Weise kann sich niemand individuell entsprechend seines Leistungsstands weiterentwickeln, geschweige denn bei einer schlechten Note noch Motivation aufbringen. Das Argument der Vergleichbarkeit zieht an dieser Stelle ebenfalls wenig. Denn Noten werden in Relation zu der Klasse verteilt, sie sind häufig schlichtweg nicht vergleichbar. Auch für ein mögliches Studium dürfen Noten deshalb nicht das einzige Kriterium sein. Das zeigt die Diskussion um den NC für ein Medizin-Studium. Noten produzieren Bildungsverlierer. Es ist ein Teufelskreis: Wer schon früh die schlechten Noten um die Ohren gehauen bekommt, kann keinen Spaß mehr am Lernen haben. Druck und Angst sind die Folgen. Völlig demotiviert bleiben die Schüler einfach auf der Strecke. Noten engen ein – Schüler wie Lehrer. Letztere müssen einen Weg finden, um den Rahmen für die Leistungsbeurteilung zu erfüllen. Durch ständiges Prüfen und Abfragen. Was auf der Strecke bleibt: individuelle Förderung und ein Lernen, das Schüler außerhalb dieses engen Rahmens auf die Zukunft vorbereitet. Das Schulsystem zu ändern, wäre zukunftsweisend. Natürlich wären dafür mehr Lehrkräfte nötig. Aber es würde sich lohnen.

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