Schwarz Wertvolle Hinweise in Zahlen

Gestern war wieder Tag der Abrechnung in den Schulen in NRW. Während die einen stolz mit ihren guten Noten nach Hause kommen, müssen andere so manchen Fünfer erklären und um die Versetzung bangen. Aber ist diese Form der Bewertung überhaupt noch zeitgemäß? Kann eine Zahl einen Menschen beurteilen? Unsere Autoren streiten

Martin Fröhlich

So aufgeregt ist meine Tochter sonst nur, wenn Ferien bevorstehen. Doch bis dahin ist es noch ein Stück. Was sie diesmal so beschäftigte, war das Halbjahreszeugnis. Denn es geht dabei um den Wechsel zur weiterführenden Schule. Nun entscheidet nicht allein das Zeugnis darüber, wohin Eltern ihre Kinder schicken, doch es gibt wichtige Anhaltspunkte. Da ist der Notenschnitt, der eine Art Leistungsdimension vorgibt, in der sich eine Schülerin oder ein Schüler bewegt. Da sind die Noten in den Fächern, die etwas über Begabungen und Schwierigkeiten aussagen. Und da ist die Entwicklung der Noten über Jahre hinweg, die Tendenzen und Potenziale aufzeigt. Allerdings ist das System der Benotung in die Kritik geraten. Vor Jahren ging es noch um die sogenannten Kopfnoten für das Verhalten. Heute wird schon mal generell das Beurteilen durch Zensuren in Frage gestellt. Das System sei zu rigide, man könne Menschen nicht durch Zahlen darstellen, dürfe Kindern nicht den Weg aufgrund von Rechenspielen verbauen. Das alles ist richtig und doch nicht die ganze Wahrheit. Natürlich sind Noten allein zu wenig für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit. Und eine Persönlichkeit können sie sowieso nicht annähernd beschreiben. Dennoch brauchen wir sie, denn woran sonst sollten sich Lehrer, Eltern und die Kinder selbst orientieren, wenn sie etwas über den Leistungsstand wissen wollen? Stellen Sie sich vor, Sie müssten über die Deutschkenntnisse ihres Kindes eine mehrseitige Erklärung der Lehrerin lesen, um zu verstehen, ob Tochter oder Sohn gut, mittelprächtig oder schlecht in dem Fach klarkommt. Die Schulnote als einordnende Dimension und Tendenz spricht eine klare Sprache. Und sie schließt nie aus, dass im Detail genauer hingeschaut wird oder weitere Kriterien hinzugezogen werden. So wie es etwa bei der Frage der Versetzung oder beim Numerus Clausus durchaus gehandhabt werden sollte.

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