Weiss Auch beim 100. Mal Spaß!

„Same procedure as every year“ – was für Miss Sophie und Butler James gilt, gilt auch seit Jahrzehnten für Millionen TV-Zuschauer: An Silvester sitzt man vor dem Fernseher und schaut sich zum gefühlt 100. Mal den Sketch an. Jedes Jahr das gleiche Ritual. Oder kann man getrost auf den Schwarz-Weiß-Streifen verzichten?

Tina Gallach

Ich werde jedes Silvester „Dinner for One" gucken, bis ich selbst 100 Jahre alt bin und mir vielleicht endlich einen Butler leisten kann, der vor meinen erblindeten Augen über ein Fell mit Tigerkopf stolpert. Dann können sich andere über mich amüsieren und ich werde ladylike in die Ferne blicken wie Miss Sophie, weil ich nicht mehr sehe, was um mich herum geschieht. Darauf freue ich mich schon. Bis dahin werde ich mich aber weiterhin über Freddie Frinton alias Butler James kaputtlachen. Mit ihm ist es ein bisschen wie mit Titanic: Wenn ich den Film über das Schiffsunglück gucke, hoffe ich jedes Mal wieder, dass Rose und Jack es doch noch schaffen. Dass sie beide auf der im Ozean treibenden Tür überleben. Und bei James frage ich mich Jahr für Jahr bei jedem Gang zur Anrichte wieder: Wird er es stolperfrei schaffen? Es ist immer noch überraschend, an welcher Stelle er mit dem Fuß am Tigerkopf hängen bleibt. Aber mal abgesehen davon: „Dinner for One" ist viel mehr als nur dummes Gestolpere. Es ist ein Sketch mit sehr feinem Humor, mit Situationskomik und – das ist das Wichtigste – mit Timing. Genau deswegen weiß ich nämlich auch nach Jahrzehnten Dinner-Dauerschleife zu Silvester wirklich nie, ob er nun stolpert oder nicht. Weil die Gags sitzen. Vielleicht bekam die Sendung deswegen schon einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Großartig sind übrigens auch die Charaktere, die der Autor des Stücks mit Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Winterbottom, Mr. Pommeroy geschaffen hat. Vier echte Originale, deren fiktives Aufeinandertreffen durch James’ Darstellung Spaß macht. Alles in allem also eine mehr als runde Sache. Einmal im Jahr knapp 20 Minuten kurz. Eine Zeitspanne, die selbst „Dinner for One"-Hasser ertragen können müssten. Es geht ja nicht um 150 Minuten Star Wars, die man nicht versteht, wenn man die vorherigen sieben Teile nicht gesehen hat. Es ist doch nur ein kleiner leiser Sketch – mit Wumms. Immer wieder schön.

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