Schwarz Öder Komik-Brei

„Same procedure as every year“ – was für Miss Sophie und Butler James gilt, gilt auch seit Jahrzehnten für Millionen TV-Zuschauer: An Silvester sitzt man vor dem Fernseher und schaut sich zum gefühlt 100. Mal den Sketch an. Jedes Jahr das gleiche Ritual. Oder kann man getrost auf den Schwarz-Weiß-Streifen verzichten?

Andrea Sahlmen

Dinner for one", „Dinner up Platt", „Dinner op Kölsch" oder auf Hessisch. In den unterschiedlichsten Sprachen und fast rund um die Uhr könnte ich am Silvestertag den Klamauk aus dem Jahr 1963 sehen. Notgedrungen habe ich schon gefühlt 100 Mal mit Familienangehörigen und Freunden zugeschaut, wie Butler James über den Tigerkopf stolpert und sich für Miss Sophie betrinkt. Ein weiteres Mal kann ich das nicht ertragen. Irgendwann werden Traditionen langweilig, ist der beste Sketch überholt und über die Komik kann man nur noch müde lächeln. Ich esse auch nicht seit 20 Jahren Raclette zu Silvester, nur weil ich es eben immer so mache. Ich möchte an dem Abend das essen, worauf ich Appetit habe. Und das machen, worauf ich Lust habe. Mit Freunden gemütlich frühstücken gehen, voller Aufregung die Silvesterparty planen und abends mit gutem Essen und witzigen Spielen das neue Jahr einläuten. Denn ein richtiges Dinner am Silvesterabend macht doch viel mehr Spaß, als diese altbackene Party aus den 60er-Jahren immer und immer wieder im Fernsehen zu schauen. Der Tag ist da, um etwas zu erleben, und nicht, um in Jogginghose auf der Couch zu liegen. Und vielleicht ist der ein oder andere Kumpel gegen Mitternacht genauso betrunken wie Butler James und stolpert über Tigerköpfe, herumliegende Schuhe oder Türschwellen. In der Realität ist das bestimmt mindestens genauso lustig wie im TV. Und man hat noch etwas zu erzählen. Mit dem Silvesterpunsch von „Ein Herz und eine Seele" ist es übrigens ähnlich. Oder wer kann noch über die Stinkefüße von Ekel-Alfred in der Kartoffel-Schale lachen? Wer den Fernseher auch an Silvester nicht ausschalten möchte, der sollte auf schöne Filme im Nachmittagsprogramm ausweichen. Oder ein gutes Märchen auf DVD. Das bietet zumindest ein wenig Abwechslung im sonst öden Komik-Brei der öffentlich-rechtlichen Sender.

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