Weiss Weg mit dem Tüddelkram!

Schnell noch einen 50-Euro-Schein in einen Umschlag stecken oder kurzfristig einen Gutschein besorgen – schon ist das perfekte Last-Minute-Geschenk fertig. Aber ist es wirklich so perfekt und eine gute Alternative zum Sachgeschenk? Oder einfach nur unkreativ und unpersönlich? Unsere Autoren streiten darüber

Hanna Paßlick

Es gibt wenige gute und viele schlechte Schenker. Die Guten wissen, was gefällt, und setzen es gekonnt in die Tat um. Die Schlechten verzweifeln an der eigenen Unfähigkeit, persönliche Geschenke zu machen. Aus der Not heraus kaufen sie furchtbaren Tüddelkram, der später fremde Schränke und Schubladen bevölkert. Still und staubig wartet er darauf, beim nächsten Schrottwichteln erst ein-, dann aus- und dann wieder weggepackt zu werden. Ein nicht enden wollender Kreislauf voller Tinnef, den niemand will, weil er unbedacht gekauft wurde. Das ist furchtbar, Schluss damit! Die Antwort auf die Gebete der Schenker ist Geld. Das mag für manche Zeitgenossen unpersönlich wirken. Aber der schlichte Schein trügt. Meine Kollegin etwa schenkt ihrer besten Freundin alljährlich zu Weihnachten Geld. Und die Freundin tut es ihr gleich. Das Geld sammeln die beiden, um irgendwann zusammen in den Urlaub zu fahren. Eine tolle und sehr persönliche Art, sich zu beschenken. Ein finanzielles Geschenk ist demnach mehr als nur ein schlichter Umschlag mit Scheinen. Es ist eine Sammlung schier grenzenloser Möglichkeiten. Mit Geld verschenken wir ein Stück Freiheit. Der Beschenkte darf selbst entscheiden, wann und wofür er das Geld ausgibt, um sich ein Stück Glück zu kaufen. Das kann die überteuerte Wollmütze sein, die wir bei unserem letzten Einkauf gesehen und schweren Herzens liegen gelassen haben. Oder ein spontaner Restaurantbesuch am Abend, den wir uns vor allem deshalb leisten, weil wir ja Geld geschenkt bekommen haben. Manchmal hilft so ein Geldgeschenk auch beim Sparen. Zum Beispiel für eine Reise, die wir sowieso nicht geschenkt bekommen hätten – eben weil sie zu viel Geld kostet. Vor allem aber ist das Geldgeschenk eine Begrenzung von Peinlichkeiten. Klar, die Geste zählt. Aber in Wahrheit ist nichts schlimmer, als in das Gesicht einer Person zu blicken, die unser Geschenk auspackt und versucht, ihre Enttäuschung zu verbergen. Weil wir uns angemaßt haben, zu wissen, was gefällt.

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