Schwarz Unnötiger Kommerz

Immer üppiger, immer teurer: Es gibt keinen Adventskalender mehr, den es nicht gibt. Schokolade? Kann jeder. Angesagt sind Kalender, hinter deren Türchen sich Tee- oder Biersorten, (Sex)Spielzeug oder Beauty-Produkte verstecken. Noch besser sind die mit viel Aufwand und Geld gebastelten Kalender. Aber muss das alles so ausarten?

Julia Gesemann

Das war schön: Mit meiner Schwester habe ich mir als Kind einen Adventskalender geteilt. Rote Stoffsäckchen baumelten an einem Seil im Treppenhaus. Süßigkeiten, Mandarinen, ab und an ein kleines Spielzeug oder ein Buntstift verkürzten die Wartezeit und steigerten die Vorfreude. Die Geschenke mussten nicht groß sein. Schade, das ist vorbei. Zumindest wenn ich in die Adventskalender-Abteilungen (!) der Kaufhäuser schaue. Längst geht es bei dieser Tradition nicht mehr um die reine Vorfreude aufs Fest, sondern ums Geschäft. Und längst ist der Countdown bis Heiligabend nicht mehr reine Kindersache. Der Handel überschwemmt auch Erwachsene mit einer Flut an Kalendern. Und was es da alles gibt . . . Kosmetik, Tee, Bier, Hunde-Leckerlis und Sex-Spielzeug – all das wird hinter 24 Türchen verpackt. Je größer und teurer, desto besser werden die Tage bis Weihnachten runtergezählt. Ein Irrsinn! Und dann sind diese Kalender – die Produkte enthalten, die ich jederzeit kaufen könnte – unnötig teuer. Beispiel? Ein Tee-Adventskalender mit 25 Beuteln (zwei Beutel für Heiligabend) kostet 14,99 Euro. 25 Teebeutel im Handel kosten 2,74 Euro – 447 Prozent weniger. Das ist Abzocke! Dann lieber selbst basteln. Doch auch das nimmt Ausmaße an, die einen vor allem am Verstand der Paare zweifeln lassen. Die Adventszeit wird schleichend von einer Art chronischer Morbus Valentin befallen. 24 Tage lange müssen sich Verliebte ihre Zuneigung zeigen. Der Druck ist groß. So groß, dass „kleine Aufmerksamkeiten" besorgt werden müssen, die jede für sich schon ein Weihnachtsgeschenk sein könnte. Was wollt ihr Adventskalender-Verschenker und -Bestücker beweisen? Alles muss immer teurer und aufwendiger sein. In einer Zeit, die stressfrei und besinnlich sein sollte, setzen wir uns mit so einem Quatsch nur unter Druck. Besinnen wir uns wieder auf die kleinen Freuden – Weihnachten rückt trotzdem näher!

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