Schwarz Man braucht das Iphone X überhaupt nicht!

Björn Vahle

Ich will gar nicht mit dem Offensichtlichen anfangen. Nämlich damit, dass es ein Zeichen absoluter Entkoppelung von der Wirklichkeit ist, für ein internetfähiges Telefon mit Kamera mehr als 1.000 Euro zu verlangen. Übrigens auch dann, wenn der Hersteller nicht Apple heißt. Dafür kriegst du die Mitarbeiter eines Foxconn-Werkes in China zwei Wochen lang satt. Aber das ist natürlich weder das Problem des Herstellers, der ja nur eine Nachfrage befriedigt, noch das der Käufer, weil wie steht man denn da, mit ’nem iPhone SE?! Dafür kann man schon mal großflächig auf Folter-Produktionsbedingungen in Asien und Macheten-Rechtsprechung in den Coltan-Minen Zentralafrikas scheißen. Ironie aus. Ich will auch gar nicht damit anfangen, dass andere smarte Phones Ähnliches können wie das neue Flaggschiff (hach, das klingt aber auch so wunderbar nach „Muss ich haben") und sich dank Apple jetzt auch nicht mehr für ähnliche Mondpreise schämen müssen. Das kriegt keine Wohlstandsentwicklung der Welt aufgefangen, so schnell kann die Schere gar nicht auseinander gehen, bis genug Leute reich genug sind, um dieses unsägliche Hype-Produkt zu bezahlen. Mit der anderen Seite der Schere will ich auch gar nicht erst anfangen. Und ich will schon gar nicht damit anfangen, dass die Antwort auf die Frage, ob das alles irgendjemand braucht, natürlich ein krachendes Nein ist, eins mit Nachhall und Ohrfeige, eins, das schreit: „Soll ich das noch schriftlich geben?" Es ist Luxus, unser Lebensstil, der anderer Leute Flucht- und Elendsursache ist. Natürlich wird niemand gezwungen, auch dieses iPhone wieder zu kaufen. Aber wenn Menschen gezwungen werden, es unter verachtenswerten Bedingungen zu produzieren, dann hat jeder Käufer die verdammte Pflicht, sich ganz genau zu fragen, ob er das wirklich unterstützen will. Weil ich mit all dem nicht anfangen will, fange ich gleich am Ende an: Wer’s kauft, ist selber schuld. Und mit schuld.

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