Weiss Das ganze Geld muss weg

Sparsamkeit gilt den Deutschen als Tugend. Einmal im Jahr erinnert auch der Weltspartag daran. Doch ist das Geldzurücklegen für ein Eigenheim oder für das Alter in Zeiten der Nullzinspolitik immer noch sinnvoll? Sollten wir nicht lieber jeden Moment genießen und unser Geld dementsprechend ausgeben? Ein Streitgespräch

Zoi Theofilopoulos

Karl Lagerfeld sagte einst: „Man muss das Geld zum Fenster rauswerfen, damit es zur Tür wieder reinkommt." Und somit ist auch schon so gut wie alles gesagt. Fast. Ich finde sparen langweilig. Und ja, auch spießig. Dieser Grundgedanke bestätigte sich erst wieder letzten Samstag, als ich mit meiner Lieblingsfreundin in meiner Lieblingsbar saß, einen Gin Tonic in der Hand. Ich war total motiviert und malte mir schon einen unvergesslichen Abend später im Club aus. Doch meine Freundin machte mir einen Strich durch die Rechnung. Sie sagte, sie spare ihr Geld für Rücklagen. Da müssen Ausgaben wie für Drinks reduziert werden. Rück-
lagen? Kenn ich nicht. Es blieb also bei einem Getränk. Später am Abend, lag ich dann unglücklich im Bett, anstatt durch den Club zu tanzen. Schade Schokolade. Und da kommen wir schon zu dem Punkt: Klar, den Geldbeutel schmerzt’s, aber das Herz lacht. Und es kommt ja wieder, das Geld. Okay, vielleicht nicht unbedingt zur Haustür herein, wie Karl sagt. Aber das Leben geht weiter. Und was wäre ein Leben ohne die kleinen Glücksmomente? Ohne das Gefühl, wenn der neue Pullover im Schrank hängt? Ohne einen Schluck vom eigentlich überteuerten, aber unendlich leckeren Wein? Diese Momente bleiben für immer, wenn man sie nicht zu oft auskostet. Das bedeutet, dass man nicht jeden Abend den überteuerten, aber unendlich leckeren Wein trinken soll. Aber regelmäßig! Ein anderes Beispiel: Wenn ich das Geld zur Verfügung habe und genau zu diesem Zeitpunkt in den Urlaub will, mach ich das halt. Wieso sparen, wenn es so viel einfacher geht und man ein unglaubliches Lebensgefühl im Jetzt verspüren kann? Für mich ist das Gefühl, im Moment zu leben, das zu machen, worauf ich gerade Lust habe, unbezahlbar. Oder halt eben doch. Andere Frage: Wer weiß, welchen Wert mein Geld von heute in dreißig Jahren noch hat? Was in dreißig Jahren auf jeden Fall noch existiert, ist meine Chanel-Tasche. Die natürlich viel zu teuer war. Dennoch war sie es mir wert. Und das ist die Hauptsache. Katsching!

realisiert durch evolver group