Schwarz Augen auf bei der Programmwahl

Der Tatort am vergangenen Wochenende hat zahlreiche Diskussionen mit sich gebracht. Dort gezeigt wurden heftige Sexszenen. Seitdem streitet sich die Republik: Darf man solche Bilder um kurz nach acht im Fernsehen zeigen? Auch unsere Autorinnen sind da ganz unterschiedlicher Meinung

Jessica Weiser

Wer Gewalt und Sex im Fernsehen nicht sehen will, der soll einfach umschalten. So einfach ist das. Wird es mir mal bei einer Sendung zu bunt, greife ich zur Fernbedienung. Es gibt schließlich auch genug gute Filme und Serien im Abendprogramm oder bei Streamingdiensten für Zartbesaitete oder Kinder. Immer wieder kocht diese Diskussion hoch. Immer dann, wenn mal wieder jemand der Meinung war, dass dieser oder jener Film zuviel des Guten gezeigt hat oder besonders brutal war. Schon mal überlegt, dass genau diese Reaktion das erklärte Ziel ist. Wenn man schon zwei Tage vorher liest, dass der nächste Tatort besonders über die Stränge schlägt, dann schalten garantiert mehr Menschen ein. Eine bessere Werbung gibt es nicht. Es liegt nun einmal in der Natur des Menschen, neugierig zu sein. Und sind wir doch mal ehrlich, ein bisschen sensationslüstern sind wir noch dazu. Je mehr man also den Inhalt einer Sendung im Vorfeld thematisiert und diskutiert, desto größer wird das Interesse daran – ist doch logisch. Klar, dass an dieser Stelle wieder der Jugendschutz als Totschlagargument – was für ein passender Begriff in dieser Diskussion – herhalten muss. Natürlich muss man Kinder und Jugendliche schützen. Aber grundsätzlich haben wir in diesem Fall kein Problem mit gewalt- oder sexverherrlichenden Filmen. Wir haben vielmehr ein Problem damit, dass Kinder und Jugendliche heutzutage alles konsumieren können und die Erziehungsberechtigten kaum noch etwas hinterfragen. Vielleicht, weil es ihnen egal ist oder sie sich nicht richtig über Inhalte informieren. Unser Jugendschutz ist eine Richtlinie – nicht mehr und nicht weniger. Am Ende sind es die Erwachsenen, die eine Entscheidung treffen müssen. Darf mein zwölfjähriges Kind trotz allem, was ich weiß, den Tatort sehen? Dass mag man nicht gut finden – Schuld ist am Ende aber auf jeden Fall nicht der Jugendschutz.

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