Schwarz Gemeinsam einsam

Zum Wintersemester sind viele Studenten wieder auf Wohnungssuche. Dabei stellt sich die Frage: 
Lieber alleine wohnen oder mit jemandem zusammenziehen, vielleicht sogar in eine Wohngemeinschaft? 
Unsere Autoren streiten darüber, welche Wohnform die beste ist

Monika Dütmeyer

WG gesucht – viele Studierende suchen derzeit eine passende Lebensabschnittsbleibe. Eine bezahlbare und gesellige WG klingt erstmal gut. Doch häufig ist das günstige Gemeinschaftsglück nicht von Dauer. In einem Haushalt mit meist fremden Menschen stellen viele schon nach kurzer Zeit fest: Hier ist es ganz anders als früher zu Hause. Kein Wunder, denn dort gab es Regeln, damit alles funktioniert. Statt das häusliche Spießertum fortzuführen, zelebrieren viele Studierende gerade in den ersten Wochen die ganz große Freiheit: Aufräumen kann man jetzt endlich später. Putzen sowieso. Einkaufen auch. Schlafen braucht man nachts nicht mehr. Und irgendwas Essbares haben die Mitbewohner bestimmt noch im Schrank. Welcher WG-Erfahrene kennt dieses Gefühl voller Enttäuschung nicht, wenn man nach einer Überdosis Lernen endlich die lang aufgesparte Schokolade essen möchte: Und dann ist da nichts als Leere im Schrank. Dafür schleicht sich Hass ins Herz. Aus Mangel an Verantwortlichkeiten kommt schon an dieser Stelle häufig das Problem dazu, dass man noch nicht mal weiß, wen man eigentlich hassen soll. Zu groß ist die Auswahl an potenziellen Dieben. Es ist nicht nur bei den Kleptomanen schwer, Verantwortlichkeiten zu verteilen. Wohl niemand möchte die Rolle des spießigen Buhmanns übernehmen und Befehle à la Mutti für alle erteilen. Dazu fehlt in einer gleichberechtigten WG auch meist die Grundlage. Alle Verpflichtungen alleine zu übernehmen, ist auch keine Lösung. Ergebnisse der großen Freiheit sind oft Streit, Stress und zerbrochene Freundschaften. Aber was ist die Alternative? Vielleicht reicht das Budget für eine kleine Wohnung. Wenn die Entfernung es erlaubt, kann man zu Hause wohnen bleiben, bis man für sich WG-taugliche, nette Menschen gefunden hat. Denn ein Gefühl braucht man zum Studienstart bestimmt nicht: gemeinsam einsam unter Fremden zu sein.

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