Weiss Echt – schon wieder jetzt?

Ob Libori in Paderborn, Blasheimer Markt in Lübbecke, Zwiebelmarkt in Bünde oder ganz aktuell der Weinmarkt in Bielefeld, gefühlt an jedem Wochenende gibt es in OWL ein Volksfest. Unsere Autoren streiten darüber, ob es nicht langsam zu viel wird mit der kollektiven Feierei

Tina Gallach

Volksfeste . . . hach, Entschuldigung, da muss ich gerade mal gähnen. Wenn ich das Wort höre, werde ich schlagartig müde, denn ganz ehrlich: Es gibt einfach zu viele davon. Und sie dauern zu lange. Das ist so, als wäre jeden Tag Weihnachten. Oder Geburtstag. Oder als wäre immer Sommer. Es ist einfach langweilig. Hinzu kommt noch, dass ich mitten in der Bielefelder Altstadt lebe und arbeite, mich tagsüber und je nach Anlass auch abends mehrfach durch die Menschenmengen schieben muss. Aber gut, da kann man jetzt sagen „das gehört dazu,wenn man so zentral leben möchte. Dafür hat man sonst kurze Wege, eine dörfliche soziale Infrastruktur und kaum Autos vor der Tür". Stimmt. Generell habe ich ja auch gar nichts gegen Stadtfeste. Aber es gibt Unterschiede. Der Leineweber zum Beispiel gefällt mir. Da stehen nicht nur Buden mit vielen betrunkenen Menschen drumherum herum, sondern es ist was los: Konzerte, Tanz, Gesang, Punk, Klezmer, Pop. Na gut, nach Tag drei könnte es gerne wieder vorbei sein, eine knappe Woche macht es auch irgendwann zäh. Aber da ist das Jahr ja noch jung. Es geht noch. Oder der Weinmarkt in Gütersloh: unmittelbar am Rand der City auf dem großen Platz neben Theater und Stadthalle. Die Innenstadt ist frei, wer shoppen will kann shoppen, wer zum Weinmarkt will, kann auch das, alles ist zentral, man kommt sich nicht ins Gehege. Nach vier Tagen ist Schluss – und man kann sich auf das nächste Jahr freuen. So mag ich das. Aber nicht nach einem Sommer voller Veranstaltungen noch sechs Tage Weinmarkt, dann ein paar Buden mit Strohballen als Herbstmarkt, ein Oktoberfest, dem folgt der Weihnachtsmarkt – und der dauert und dauert. Wochenlang. Schön für alle, die davon leben. Ätzend für die, die damit leben müssen. Nach der anfänglichen Freude über die schöne bunte Vorweihnachtszeit, folgt schnell die Ernüchterung: zu bunt, zu laut, zu voll und immer das Gleiche – überwiegend alkoholisierte Massen. Aber dann, endlich, Pause. Bis zum nächsten Mal. . .

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