Schwarz Spaßbremsen

Ob Libori in Paderborn, Blasheimer Markt in Lübbecke, Zwiebelmarkt in Bünde oder ganz aktuell der Weinmarkt in Bielefeld, gefühlt an jedem Wochenende gibt es in OWL ein Volksfest. Unsere Autoren streiten darüber, ob es nicht langsam zu viel wird mit der kollektiven Feierei

Julian Rüter

Wer kann sich daran erinnern, dass er zuletzt in seiner Heimat über ein Volksfest geschlendert ist? Und was haben Sie gemacht? Genau, an einer Bude gegessen, den Trubel genossen und wahrscheinlich auch noch alte Bekannte getroffen, die man seit Jahren nicht gesehen hat. Denn ein Volksfest ist fast so wichtig für alte Bekanntschaften wie die Telefonnummer oder eine Adresse. Dafür kommen doch viele in die Heimat zurück. Welche Spaßbremse damit um die Ecke kommt, dass wir zu viele davon haben, dass wir die nächste Bastion guter Laune kaputtreden müssen – der kann man doch kaum noch helfen. Volksfeste sind vorrangig ein regionales, fast schon lokales Phänomen. Wer auf den Blasheimer Markt geht, kommt wahrscheinlich aus dem Altkreis Lübbecke, beim Bünder Zwiebelmarkt gibt es wiederum kaum jemanden, der sich aus Espelkamp oder Warendorf extra auf den Weg macht. Wenn doch, muss er ein Volksfest-Junkie sein. Diese Fans dürfen ja wohl ihren Spaß haben. Nun kommt die Libori natürlich jedes Jahr wieder und in Bielefeld gibt es auch die ein oder andere regelmäßige Veranstaltung. Klar zieht es dort auch mehr Menschen von außerhalb hin. Die Straßen sind voll, es wird ein bisschen gedrängelt. Aber was passiert denn, wenn wir von einer dieser Veranstaltungen nun eine streichen? Dann ärgern sich wieder alle, dass in ihrer Stadt zu wenig los ist und man ja gar nichts machen kann außer dem Alltagstrott. Man kann an allem etwas zu meckern finden. Schluss damit! Wenn ich zum Blasheimer Markt gehe, dann weiß ich genau, wo ich alte Schulkameraden finde und sie endlich mal wiedersehe. Anderen Leuten geht es bei der Libori, beim Leineweber oder beim Weinfest so. Wer sowas streichen will, nur damit man mal mehr Ruhe hat, der soll eben nicht dahin ziehen, wo andere Menschen ihren Spaß haben. Das ist ja schließlich nicht erst seit gestern so.

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