Weiss Nur platte Parolen

Angela Merkel schaut links, Martin Schulz lächelt rechts, ein paar Meter weiter krempelt sich Christian Lindner die Ärmel hoch. Fast überall, wo man derzeit hinschaut, hängen Wahlplakate. Aber ist das bei den immensen Kosten und vielfältigen Alternativen auch immer noch notwendig? Unsere Autoren streiten über ein Verbot

Julia Gesemann

Politik braucht keine Plakate, sondern gute Argumente. Und die sind in der Regel nicht von Pappe. Also weg mit den Wahlplakaten! Am Straßenrand verschwinden sie sowieso in der Menge der Werbeplakate. Oder sie lenken Fahrer und Fußgänger ab und behindern die Sicht. Viel schlimmer aber: Oft sind sie inhaltsleer. Aufgedruckte, platte Parolen, mit denen der Wähler nichts anfangen kann – und die, so unkonkret formuliert, nach der Wahl sowieso neu interpretiert oder erst gar nicht eingehalten werden. Es geht nicht mehr um Politik, sondern nur noch um Werbung: Der Kandidat muss möglichst attraktiv, gut ausgeleuchtet und optimal retuschiert präsentiert werden. Photoshop lässt grüßen. Inhalte werden auf den Plakaten gleich mit weggelächelt. Und bei der Vielzahl an Plakaten mit unterschiedlichsten Motiven ist es für die Wähler gar nicht mehr möglich, die ursprüngliche Botschaft zu entschlüsseln. Aufgabe verfehlt. Und jetzt mal Hand aufs Wählerherz: In Deutschland war es noch nie so einfach, sich umfassend und ungefiltert über Kandidaten und Ziele einer Partei zu informieren. Das Internet und die sozialen Netzwerke machen es möglich. Da können sich die Designer und Kampagnenmacher noch so sehr für viel Geld ins Zeug legen – Wahlplakate sind ein Relikt vergangener Zeiten. Sie aufzuhängen ist nicht nur teuer – im Schnitt kostet ein Großplakat 400 bis 500 Euro –, sondern auch aufwendig. Wochenlang werden die Plakate an Bäume, Laternen und Schilder gebunden, das kostet viel Zeit. Zeit, die die Parteien sinnvoll in Diskussionsveranstaltungen mit den Bürgern, Informationsstände und in gute Social-Media-Arbeit investieren könnten. Direkter Bürgerkontakt statt simple Werbeslogans. Es geht auch sehr gut ohne Plakatflut. Dank der Medien wird jeder rechtzeitig über eine anstehende Wahl informiert. Und spätestens wenn die Wahlbenachrichtigung im Briefkasten liegt, weiß auch der Letzte, wann er sein Kreuz machen muss.

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