Weiss Geld verdirbt den Charakter

Geld, Geld, Geld – es scheint so, als ginge es um nichts mehr anderes im Fußball. Die Ablösen steigen in aberwitzige Dimensionen, die TV-Gelder werden immer horrender und ein Trikot des Lieblingsclubs kostet plötzlich über 100 Euro. Unsere Autoren streiten, ob das Rad irgendwann überdreht ist

Carsten Blumenstein

Fußball ist ein unkomplizierter Sport. Relativ einfache Regeln, das Runde muss irgendwie ins Eckige. Und beim Elfmeterschießen gewinnen immer die Deutschen. Spaß pur, Woche für Woche. Die Zeiten, in denen man mit großer Freude das Spiel verfolgen kann, sind aber vorbei. Das liebe Geld hat vieles kaputt gemacht. Okay, richtig guten Bolzern bei der Arbeit zuzusehen, macht ab und an gute Laune. Aber die kosten halt, in letzter Zeit sogar ein bisschen zu viel. Von irgendwo her kommt ein Scheich angelaufen und zahlt unsagbar viel Geld für Neymar, einfach so. Warum soll der 20-jährige Dortmunder Démbéle 100 Millionen Euro wert sein? Keiner kann es genau sagen. Die freie Marktwirtschaft bestimmt die Preise, eine richtige Kon-trolle des Handelns von Großklubs gibt es anscheinend nicht. Trotz Financial Fairplay. Und die Bundesliga? Macht nicht richtig mit, ist aber ein Teil des Kreislaufs. Denn auch in Deutschland ist Geld überaus wichtig, um international mitzuhalten. Reisen nach Asien und Amerika werden auf Kosten der Profis als Marketingstrategie verkauft, immer neue Märkte (und damit Geld) sollen her. Ich liebe den Fußball unterhalb der Bundesliga. Auch in der 2. und 3. Liga bestimmt die Kohle das Geschäft, doch es läuft alles eine Nummer kleiner ab. Dort kann man auch mit bescheidenen Mitteln noch etwas erreichen. Gutes Scouting, guter Trainer – schon kann es laufen. Bestes aktuelles Beispiel: Arminia Bielefeld. Der sympathische Trainer Jeff Saibene hat Ahnung vom Fußball und baut trotz eines kleinen Etats eine schlagkräftige Truppe auf. Und er hat Angst um seinen Sport. „Bei solchen Summen verliert der Fußball auch Werte. Irgendwann wenden sich die Leute von diesem Wahnsinn ab. Die Fans verlieren so langsam die Lust", sagt Saibene. Recht hat er. Geld verdirbt den Charakter und schießt nicht immer Tore. Hoffentlich beweisen das an diesem Wochenende mal wieder ein paar Amateurclubs, indem sie im DFB-Pokal einen Bundesligisten raushauen.

realisiert durch evolver group