Schwarz Her mit den Millionen

Geld, Geld, Geld – es scheint so, als ginge es um nichts mehr anderes im Fußball. Die Ablösen steigen in aberwitzige Dimensionen, die TV-Gelder werden immer horrender und ein Trikot des Lieblingsclubs kostet plötzlich über 100 Euro. Unsere Autoren streiten, ob das Rad irgendwann überdreht ist

Julian Rüter

Ob Paris nun 222 Millionen für Neymar bezahlt 333 oder 666, das ist doch völlig egal. Das sind absurde Summen, aber der Fußball ist auch kein Sport mehr, der nur Menschen aus dem nahen Umkreis ins Stadion zieht. Fußball ist global geworden. Er ist nicht mehr nur ein Sport, sondern ein Geschäft. Da ändern sich auch die Summen, die gezahlt werden. Jetzt eben 222 Millionen. Ja und?! Dr. Oetker hat auch irgendwann nur in OWL angefangen, sich dann auf die ganze Welt ausgeweitet und Unternehmen für viele Millionen Euro gekauft. Hat irgendjemand deswegen am Herd gestanden und gesagt: „So geht das nicht. Ab jetzt kaufe ich keine Backmischungen mehr." Nein! Und deswegen werden die Fans auch nicht plötzlich sagen: „Ich gehe jetzt nur noch zu den Amateuren." Oder: „ Ab jetzt gucke ich Handball." Sie werden genau so weiter ins Stadion laufen wie sie seit 50 Jahren den Vanillepudding von Oetker kaufen und anrühren. So ist das Leben. Kommen wir zurück zum Geld. Die Bundesliga kassiert pro Saison 1,16 Milliarden Euro an Fernsehgeldern – das ist wirklich unglaublich. Aber sind für den Normalbürger, oder den 0-8-15-Fan nicht 50 Millionen genauso ungreifbar wie 1,16 Milliarden? Das was im Fußball an Geld gezahlt wird, ist doch nur noch eine Randnotiz. Deswegen geht nicht die Fanliebe zu Bruch. Mein Verein bleibt mein Verein. Wenn die Liebe der Fans und die Faszination für den Sport wirklich von TV-Geldern, Gehältern oder Ablösesummen abhängig wären, dann wäre der Fußball doch längst tot. 1976 zahlte der 1. FC Köln als erster Verein der Bundesliga über eine Million Mark für einen Spieler. Für die Fans eine unglaubliche Summe. Für die Zeit auch. Aber die Wirtschaft dreht sich weiter. Fußballvereine sind von mittelständischen Unternehmen zu Global Playern geworden. Das ist keine Schande, sondern ein Teil der Globalisierung. Von daher: Immer her mit den Millionen.

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