Weiss Segen

Kaum hat der Frühling zum ersten Mal seine schöne Seite gezeigt, sind sie wieder unterwegs, die Motorradfahrer. Viele Deutsche genießen es, auf ihrem Zweirad an schönen Tagen die Natur, den Fahrspaß und den Nervenkitzel zu genießen. Doch viele andere fühlen sich von den lauten Geräuschen genervt. Und viele fürchten schwere Unfälle. Auch unsere Autoren streiten

Jessica Weiser

Kaum haben sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke gekämpft, kriechen sie wieder aus ihren Löchern. Nein, die Rede ist nicht von den Motorradfahrern, sondern von den braven Biedermännern, die genau jetzt ihren Winterschlaf beendet haben, und in deren Natur es liegt zu nörgeln. Wie sonst ließe sich erklären, dass jedes Jahr im Frühjahr die gleiche bescheuerte Diskussion aufploppt: „Motorräder sind gefährlich. Und erst die Fahrer – alles lebensmüde Raser." Das ist ein Argument, das mich besonders ärgert. Eine Vielzahl der Unfälle passiert, weil andere Verkehrsteilnehmer oft rücksichtslose Vollidioten sind – anders lässt sich das leider nicht sagen. Ganz ehrlich, ich bin nicht daran interessiert, frühzeitig aus dem Leben zu scheiden, wenn ich mich auf ein Motorrad setze – so wie alle anderen Motorradfahrer auch. Ich könnte mich jetzt auf diese Diskussion einlassen und erwidern, dass die überwältigende Mehrheit der Biker keine rücksichtslosen Gesellen sind, die Lärm machen. Aber ich bin diese Diskussion mit den meckernden Spaßbremsen leid. Gibt es gute Gründe, die dafür sprechen, sich auf ein Motorrad zu schwingen und durch die Gegend zu fahren? Für mich ist eine Motorradfahrt auch nach all den Jahren immer noch ein besonderes Gefühl, das sich schwer beschreiben lässt. Spaß, Abenteuer, Gemeinschaft – es sind viele Emotionen, die da mitschwingen und die Motorräder für mich zu einem Segen machen. Das mögen die Biedermänner nicht gelten lassen, aber ganz ehrlich, es gibt auch keine guten Gründe, sich nur zum Spaß ans Steuer eines Autos zu setzen, um durch die Gegend zu heizen oder mit einem Mountainbike Hügel und Berghänge hinabzubrettern. Deshalb habe ich direkt mal einen Gegenvorschlag: Verbieten wir doch einfach mal pauschal alles, was irgendwem Spaß macht. Dann muss ich mich künftig auch nicht mehr über schleichende Autofahrer und rücksichtslose Radler aufregen.

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