Weiss Streng legal

Es war ein Grundsatzbeschluss. Die Bundesregierung entschied, dass Schwerkranke ab dem Frühjahr Cannabis auf Rezept bezahlt bekommen, um ihre Schmerzen zu lindern. Ist das der erste Schritt zum legalisierten Kollektiv-Kiffen? Unsere Autoren diskutieren, ob Cannabiskonsum generell legal werden sollte.

Christine Panhorst

Cannabis ist nicht harmlos. Zigaretten, Alkohol, Schlaftabletten und gewisse Pilze sind es auch nicht. Vielleicht sogar noch weniger. Doch zu schnell gerät die Diskussion ums legale Kiffen zur Diskussion um schlechtere und bessere Drogen. Dann fallen Begriffe wie Alkoholismus, Jugendschutz und organisierte Kriminalität. Und dann sind wir auch schon bei der Frage nach der Moral angekommen – das High des rechtschaffenen Bürgers. Dabei braucht die hanfgetriebene Diskussion vor allem eins: Nüchternheit. Und nüchtern betrachtet macht eine Legalisierung mehr Sinn als ein Verbot. Ernüchternd sind da zu allererst die Fakten: Sie belegen, dass das Verbot von Cannabis offenbar keine Verbesserung gegenüber einer Legalisierung bringt. Das Verbot ist egal, weil es denen egal ist, die trotzdem kiffen und denen, die trotzdem dealen und denen, die weder das eine noch das andere tun wollen. In Ländern, die das berauschende Kraut legalisierten, schnellte die Zahl der Konsumenten nicht in furchterregende Höhen. Sie blieb, das belegen diverse Studien, fast unverändert. Auch kam es nicht zu einer allgemeinen Verlotterung oder Masseneinweisungen in die Entzugskliniken. Unterdessen berichten Ärzte und zeigen Statistiken, dass der Kiffer-Konsum in Deutschland vor allem unter Jugendlichen trotz Verbots drastisch ansteigt. Vor wenigen Tagen berichtete die NRW-Polizei von einer beunruhigenden Entwicklung: Die Zahl der Drogendelikte an NRW-Schulen hatte sich zwischen 2011 und 2015 verdoppelt. Schuld daran soll die zunehmende Verharmlosung der Droge sein. Das zeigt vor allem eins: Ein laxes Verbot, das nicht immer streng verfolgt wird, weil es größere Teile der Bevölkerung unnötig kriminalisieren würde, ist katastrophal. Weil es die Kontrollmechanismen und die Rechtsprechung schwächt. Und ja, weil es dadurch verharmlost. Eine streng kontrollierte, legale Abgabe der Droge in geringen Mengen an Über-18-Jährige bei gleichzeitigem harten Vorgehen gegen jeden Missbrauch wäre das bessere Verbot.

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