Weiss Eben – tolerieren Sie Vielfalt!

Kind, Kohle, Karriere. Für immer mehr Eltern sieht der Alltag genau so aus. Natürlich wollen viele Menschen Kinder, aber der Job soll oder darf immer seltener zurückstecken. Deswegen kommen immer mehr Kinder schon früh für 40 oder mehr Stunden in die Kindertagesstätte oder zur Tagesmutter. Unsere Autoren diskutieren, ob das wirklich so sein sollte.

Janina Raddatz

Wer sein Kind früh in die Ganztagsbetreuung gibt, ist in den meisten Fällen als rabenhaftes Elternteil gebrandmarkt. Im Feuer der Empörung erhitzen andere ihre Gemüter, und ab geht’s. Die Gründe, warum Eltern so handeln, sind den meisten Menschen egal: Wer sein Kind „abgibt", der kann es ja gar nicht gut meinen. Warum „schafft" man sich ein Kind an, wenn man es sowieso nicht betreuen will? In diese und ähnliche Richtungen gehen die Vorwürfe. Je nachdem, welche Angriffsflächen Frau oder Mann dann noch bieten, wird auf ebendiese draufgehauen. Unerbittlich. „Die war doch immer schon komisch" heißt es dann, „das passt zu ihr." Oder „es war klar, dass er seinen Job nicht aufgibt – aber dann nebenher auch noch ein zeitaufwendiges Hobby haben, der hätte sich das vorher überlegen müssen!" Menschen urteilen häufig vorschnell. Denn es ist so viel einfacher, mit dem ausgestreckten Zeigefinger und von einer großen, ähnlich denkenden Masse umgeben auf das zu zeigen, was andere vermeintlich falsch machen. Was man selbst – selbstverständlich! – anders machen würde. Aber man sei ja nicht in der Situation. Was ein Glück. Und schnell das Eisen wieder erhitzen – man hat es besser griffbereit. Für den Fall der Fälle. Wer hat festgelegt, dass nur diejenigen gute Eltern sind, die ihr Kind in den ersten Lebensjahren immer bei sich haben? Wer sagt, dass Abende, Vormittage und Wochenenden nicht dermaßen erfüllend sein können, dass das Kind keinen Mangel an elterlicher Zuneigung empfindet? Man bedenke, welches Gefühl auch die Kinder später haben, wenn ihre Eltern derart angefeindet werden. Es gibt Familien, in denen Kinder bis zur Einschulung zu Hause bleiben, und sich niemand kümmert – obwohl die Eltern weniger oder gar nicht arbeiten. Es gibt aber auch Familien, in denen die Kinder früh in die Kindertagesstätte gebracht werden, und die Eltern die übrige Zeit äußerst qualitativ nutzen. Und bevor man urteilt, sollte man das bedenken.

realisiert durch evolver group