Schwarz Denken Sie an die Kleinen!

Kind, Kohle, Karriere. Für immer mehr Eltern sieht der Alltag genau so aus. Natürlich wollen viele Menschen Kinder, aber der Job soll oder darf immer seltener zurückstecken. Deswegen kommen immer mehr Kinder schon früh für 40 oder mehr Stunden in die Kindertagesstätte oder zur Tagesmutter. Unsere Autoren diskutieren, ob das wirklich so sein sollte.

Carsten Heil

Morgens um sieben Uhr weg mit den Kindern. Die Eltern wollen ihr eigenes Ding durchziehen, Kohle und Karriere machen. Da stören die Blagen nur. Erst abends um 18 Uhr holen sie den Nachwuchs wieder ab. Zwei Stunden mit den Kleinen reichen pro Tag. Und am Wochenende ist die gemeinsame Zeit dann auch viel intensiver, reden sich die Erzeuger die Lage schön. Deshalb sollen Kitas schon für die Jüngsten am besten Rund-um-die- Uhr-Betreuung bieten. Die Befürworter verweisen gern auf Skandinavien und Frankreich. Da klappt das ja so prima. Und die moderne Arbeitswelt verlangt das so. Da können sich Mama und Papa halt nicht so intensiv um die Kinder kümmern. Hat eigentlich mal jemand die Kinder gefragt? Was wollen die? Welches Umfeld brauchen sie? Was beziehungsweise wer tut ihnen gut als Bezugsperson? Eine Erzieherin, die sich gleichzeitig um 15 andere Kinder kümmern muss? Ist es vielleicht nicht doch besser, wenn Vater oder Mutter die nächsten Bezugspersonen sind? Ausgestattet mit viel mehr Liebe für ihr Kind als jede noch so gute Erzieherin. Wenn es die Arbeitswelt tatsächlich erfordern sollte, dass Erwachsene immer verfügbar sein sollen, müssen wir uns fragen, ob wir die positive Entwicklung unserer Kinder wirklich auf dem Altar der Ökonomie opfern wollen. Es wäre sinnvoller und wünschenswerter, wenn Mutter oder Vater nur ein paar Stunden außer Haus arbeitet und sich den Rest des Tages um die Kleinen kümmert. Der Beweis ist nicht erbracht, dass Kita-Kinder später vollwertigere und leistungsfähigere Mitglieder der Gesellschaft sind. Die Vermutung liegt sogar nahe, dass Kinder, die kaum im Familienverbund aufgewachsen sind, weniger gefestigt sind und eine geringere Fähigkeit ausbilden zu lieben. Kinderärzte und -psychologen weisen darauf hin. Schon allein deshalb ist die externe Rundumbetreuung der Kleinsten ein Übel.

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