Weiss Asoziale Netzwerke

Am Anfang haben viele User im Internet ihr halbes Leben veröffentlicht. Aber persönliche Posts, Fotoalben aus dem Urlaub und sinnvolle Kommentare werden immer seltener. Schaffen sich soziale Netzwerke durch ihre immer ausufernde Pöbelmentalität selbst ab? Unsere Autoren haben unterschiedliche Ansichten zu dieser Frage.

Monika Dütmeyer

Zugegeben: In der Mythologie sind Trolle schon meist keine Schönheiten. Aber ihre gleichnamigen Pendants im Internet übertreffen das noch bei Weitem: Sie verstehen es als ihre Aufgabe, in sozialen Netzwerken konstruktiven Austausch zu verhindern. Hässlich ist noch geschmeichelt für ihr Verhalten. Durch ihre mutwilligen Provokationen und Pöbeleien haben viele heute das Gefühl, dass Facebook und Co. ein Buchstabe fehlt: Eigentlich könnten sie zuweilen auch als asoziale Netzwerke bezeichnet werden. Für viele Menschen ist das Grund genug, die Netzaktivitäten herunterzufahren, denn so macht es einfach keinen Spaß mehr. Würde sich jemand am Stammtisch in der Kneipe permanent destruktiv, provozierend und beleidigend benehmen, dann würde er oder sie sicher bald nicht mehr eingeladen werden. Denn auf Dauer ist so ein Verhalten kaum zu ertragen und in der Freizeit schon mal gar nicht. Nun kann man die Trolle aus dem Netz nicht so einfach ausladen, es fehlen rechtliche Grundlagen, virtuelle Türsteher und Rausschmeißer. Also hilft nur ignorieren. Sie haben gar keine Reaktion verdient, auf die viele von ihnen vermutlich sehnlichst hoffen. Oftmals erlaubt ihnen erst die Anonymität des Netzes, den Mut aufzubringen, diese Art von Äußerungen überhaupt zu tätigen. Stellt man sich einen Troll vor, wie er Selbiges von Angesicht zu Angesicht kommunizieren sollte, würde er wahrscheinlich stumm bleiben und maximal rot anlaufen. Oder die Feigheit würde ihn gleich in die Flucht schlagen. Eigentlich könnten einem die Pöbler fast leid tun, denn hinter dem Verhalten steht vermutlich der Wunsch, wahrgenommen zu werden. Die Art, nach Anerkennung zu lechzen, nervt aber einfach nur. Entweder man zieht sich aus den Netzwerken zurück – oder man sucht den Troll in sich: Warum sollte man einem Pöbler nicht mal unaufgefordert mit freundlichen Nachrichten bombardieren, ihn mit in Buchstaben aneinander gereihter Liebe überschütten? Das muss ihn doch einfach tierisch nerven.

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