Schwarz Kapitulieren? Niemals!

Am Anfang haben viele User im Internet ihr halbes Leben veröffentlicht. Aber persönliche Posts, Fotoalben aus dem Urlaub und sinnvolle Kommentare werden immer seltener. Schaffen sich soziale Netzwerke durch ihre immer ausufernde Pöbelmentalität selbst ab? Unsere Autoren haben unterschiedliche Ansichten zu dieser Frage.

Anne Wunsch

Was in den sozialen Netzwerken abgeht, ist beschämend. Privatleute, Promis und Medien werden aufs Übelste angegangen, beschimpft und bedroht. Und mit der Flüchtlingskrise haben diese Pöbeleien noch mal eine neue Qualität erreicht. Volksverräter und Gutmenschenpack sind da fast noch nette Anreden. Und mehr möchte ich hier nicht zitieren. Ganz klar: Pöbeleien – vor allem bei Facebook – sind keine Ausnahme, sondern die Regel geworden. Soziale Netzwerke deshalb aufzugeben, ist jedoch keine Option. Es wäre die Kapitulation vor den Pöblern. Denn eigentlich bieten die sozialen Netzwerke riesige und großartige Chancen: den Austausch mit Menschen auf der ganzen Welt zum Beispiel. Videos und Bilder, die uns zum Schmunzeln bringen. Wir können durch sie am Leben anderer teilhaben – egal wo sie sind. Und ja, wir können uns über die Netzwerke auch über politische und gesellschaftliche Themen austauschen, Meinungen anderer lesen und bewerten. Diese Möglichkeit gab es früher nicht. Da haben Politiker, Journalisten und Prominente ihre Meinung in die Welt getragen und wer antworten wollte, konnte höchstens einen Leserbrief schreiben. Das alles aufzugeben, wäre ein Rückschritt. Viel wichtiger ist, dass Hetze im Netz endlich konsequent bestraft wird. Politik und Justiz sind hier gefragt, genauso wie die Betreiber. Denn Hass hat mit Meinungsfreiheit nichts zu tun. Und natürlich sind auch wir, die Nutzer, gefragt. Wer müde wird, auf die Pöbler zu reagieren, überlässt ihnen das Feld. Es ist wichtig, zu antworten und zu widersprechen – und wenn nötig, sogar rechtliche Schritte einzuleiten. Denn ob man es möchte oder nicht: Diese Pöbler sind Teil unserer Gesellschaft. Wir begegnen ihnen jeden Tag. Und wenn wir nicht aufpassen, geht diese Respektlosigkeit und dieser Hass auch ins reale Leben über. Und dann können wir auch nicht einfach wegschauen.

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