SDP: Dag-Alexis-Kopplin und Vincent Stein. - © Serge Mattukat
SDP: Dag-Alexis-Kopplin und Vincent Stein. | © Serge Mattukat

Kopf der Woche Dag-Alexis Kopplin: „Es geht darum, 
Grenzen zu überschreiten“

Dag-Alexis-Kopplin hat mit seinem Freund Vincent Stein 1999 die Band 
 gegründet. Die Musiker lassen sich in keine Schublade stecken. Im Interview spricht der 34-Jährige über die Zusammenarbeit, die Musik und Drogen

Lena Vanessa Niewald

Mit Dag-Alexis Kopplin und Vincent Stein auf die Bühne wird’s bunt, laut und vielseitig. Die Jungs von SDP lassen sich nicht in Schubladen stecken und probieren immer wieder verschiedene Genres aus. Einst bezeichnete SDP sich als „bekannteste unbekannteste Band der Welt", heute ist sie aber alles andere als unbekannt. Songs wie „Die Nacht von Freitag auf Montag" sind fester Bestandteil jeder guten Party. Gitarrist Dag erzählt, wie die beiden Musiker zusammengefunden haben, was die Band ausmacht und worauf Fans sich freuen können. Dag, wie hast du deinen Bandkumpel Vincent damals kennengelernt? Dag-Alexis Kopplin: Das ist wirklich eine Geschichte, die man sich so gar nicht ausdenken kann. Es macht immer wieder Spaß, sie zu erzählen. Vincent und ich kennen uns seit der siebten Klasse. Da waren wir zwölf und haben uns am ersten Tag der Oberschule getroffen. Mir wurde gesteckt, dass Vinc Ärzte-Fan ist und E-Gitarre spielt – genau wie ich damals. Wir haben dann gleich am ersten Tag gequatscht und uns zum Musikmachen verabredet. Das war 1996. Alles fing also wirklich im Kinderzimmer an und hat bis heute gehalten. Gibt es denn auch mal Momente, in denen ihr beide euch gegenseitig so richtig auf den Keks geht? Kopplin: Ich glaube, wenn nie Diskussionen geführt werden oder auch mal Frust thematisiert wird, zerbrechen Beziehungen irgendwann. Und dann wundern sich die Menschen, warum so eine scheinbar perfekte Beziehung letztlich zerbricht. Na ja, weil sie eben nur perfekt schien. Bei Vinc und mir ist es wirklich so, dass wir uns überhaupt nicht krass streiten. Wir brüllen uns nicht an, und es ist in all den Jahren auch noch nicht vorgekommen, dass einer plötzlich ausflippt, einfach geht und dann gar nicht mehr ans Telefon geht. (lacht) Das klingt doch echt harmonisch. Kopplin: Wir sind zusammen immer ziemlich zielgerichtet. Wir würden ja jetzt auch nicht mehr Musik zusammen machen, wenn es keinen Spaß machen würde. Anstrengend ist es nur manchmal, wenn wir etwas fertigkriegen müssen. Eine geile Idee alleine ist noch kein Song. Irgendwann muss ein Album auch abgegeben werden. Und dann kann es schon vorkommen, dass wir hin und her diskutieren. Aber wir geben uns immer Mühe, den Frust nicht am anderen auszulassen. Gibt es denn bei euch eine klare Arbeitsteilung? Kopplin: Wir haben uns Ausweise ausgedruckt und jeder hat verschiedene Ränge bei uns. Ich bin zum Beispiel „Head of Studio-Klobürste". (lacht) Nein, Quatsch. Natürlich haben sich im Laufe der Zeit Zuständigkeitsbereiche herauskristallisiert. Vincent ist der Musikproduzent von uns beiden. Er drückt die Knöpfe und stellt die ganzen Sachen ein. Damit will ich seine Arbeit jetzt aber nicht runterspielen. Im Gegenteil: Ich finde, die Arbeit der Produzenten wird heute viel zu wenig gewürdigt, eigentlich steht sie meiner Meinung nach viel zu weit im Hintergrund. Wenn Vinc diese Arbeit nicht machen würde, dann bräuchte ich auch nicht weitermachen. Ich könnte das nämlich nicht. Aber ich sitze immer dabei, schaue ihm über die Schulter und sage meine Meinung. Am Ende ist die Arbeitsteilung bei 50:50. Euer aktuelles Album heißt „Die bunte Seite der Macht" – was bedeutet dieser Titel für euch? Kopplin: Ein bisschen soll der Titel an Star Wars erinnern, an unsere Kindheit. Aber das war es dann auch schon mit den kulturellen Referenzen. (lacht) Ansonsten geht es beim Titel und auch in unseren Songs einfach um Vielfalt – stilistisch und musikalisch – wie eigentlich immer bei uns. Es geht darum, Grenzen zu überschreiten, und letztlich auch um eine positive Grundhaltung zum Leben. Auch wenn wir manchmal Frustlieder oder wütende Songs machen und mal zwischendurch fies sind – im Grunde genommen machen wir lebensbejahende Musik. Du hast es schon angesprochen, stilistisch habt ihr schon immer verschiedene Genres ausprobiert. Gibt es denn eine Richtung, in der ihr euch am wohlsten fühlt? Kopplin: Ich glaube tatsächlich, dass man mittlerweile hört, wo wir uns stilistisch wirklich zuhause fühlen: Wir sind sehr von der Rock-Musik geprägt. Wir sind halt Berliner Stadtrand-Kids und deshalb mit einer Mischung aus Rock, Punkrock, Hip-Hop und Rap aufgewachsen. Wir selbst haben allerdings noch nie gerappt und machen immer klar, dass wir definitiv keine Hip Hop Band sind. Das ist mittlerweile aber, glaube ich, auch bei allen angekommen. Ansonsten lassen wir uns aber natürlich von diesen ganzen verschiedenen Richtungen inspirieren. Am 1. Februar gebt ihr auch im Bielefelder Ringlokschuppen ein Konzert. Habt ihr vor Auftritten bestimmte Rituale? Kopplin: Jedes Bandmitglied hat seine eigenen Rituale. Auf der Bühne sind wir ja nicht nur zwei Musiker, da treten wir mit unserer kompletten Live-Band auf. Die Vorbereitung für das Konzert fängt dann meist auch schon ein paar Stunden vorher an. Ein bisschen vorausschauend muss man sich schon verhalten. Alles ist dann auf den Auftritt ausgerichtet. In den letzten zwei Stunden wird es so richtig konkret, dann sind wir meistens auch schon alle zusammen und hören Musik oder so. Wer gerne Alkohol trinkt – so wie ich (lacht) –, trinkt vielleicht schon vor der Show etwas. Eine Stunde vorher fange ich dann selbst an, mich für den Auftritt körperlich fit zu machen. Wenn es auf die Bühne geht, dann muss ich so richtig „on fire" sein. Es gibt aber auch welche von uns, die pennen fast noch mal ein. (lacht) Und ganz kurz vorher? Kopplin: Dann wird auf jeden Fall richtig hochgefahren, und wir stehen alle hinter der Bühne. Das gehört echt zu den intensivsten Momenten des gesamten Konzerts, weil wir das Publikum ja dann meist schon hören und irgendwie auch die Hitze spüren können. Wir trinken alle noch einen Schnaps zusammen – und dann geht’s auch schon los. Wenn jemand euch noch nie live gesehen hat – worauf kann man sich freuen? Kopplin: Auf jeden Fall muss man mitmachen, sonst erlebt man es nicht richtig. Wer nur vorbeikommt und sich das Konzert anschaut, wird ein Spektakel erleben, wie wir gemeinsam mit dem Publikum eine Riesensause veranstalten. Wir geben wirklich alles und spielen definitiv kein Konzert, das man sich in Ruhe anhören kann. Es geht richtig ab. Wir spielen verschiedene Instrumente, anders als es sich viele vielleicht vorstellen. Aber ich will auch nicht spoilern und Show-Elemente verraten. Viele haben schon ihre Tickets gekauft und denen möchte ich die Überraschung nicht verderben. Also, kommt einfach vorbei. Spielt ihr denn lieber große oder kleinere Konzerte? Kopplin: Wir lieben die kleinen Konzerte. Letztes Jahr haben wir im Dezember auf eigene Faust ein kleines Benefiz-Konzert gespielt, weil wir gerne mal wieder was Kleines machen wollten. Große Bands können sich aussuchen, ob sie lieber klein oder groß spielen möchten. Das ist cool. Wenn du aber noch am Anfang stehst, dann kannst du dir natürlich nicht so einfach aussuchen, dass du auch mal groß spielen möchtest. Deswegen ist das schon echt ein krasses Gefühl, wenn man ein Riesen-Publikum vor sich hat und alle Leute deine eigenen Songs singen. Vor allem auf Tour, da kommen die Menschen ja wirklich nur deinetwegen. Gibt’s denn Pläne für weitere intime Konzerte? Kopplin: Wir werden auf jeden Fall immer wieder mal kleine Konzerte spielen. Das ist einfach ein super intensives Gefühl, wenn einem nur drei Menschen oder so gegenüber sitzen und man dann quasi nur für sie alleine singt. Bei der Deluxebox von unserem neuen Album verlosen wir aktuell zum Beispiel ein Wohnzimmerkonzert. Das wurde bis jetzt noch nicht gezogen, wir wissen also noch nicht, wer es gewonnen hat. Gibt’s denn auch Tage, an denen ihr gar nichts mit Musik zu tun habt? Kopplin: Also bei Vincent kaum, weil er ja auch noch Musikproduzent ist. Der ist eigentlich immer im Musikstudio. Und ich habe auch jeden Tag Musik um mich herum. Ich mag das aber gar nicht so gerne und finde es etwas komisch, wenn Künstler sagen, dass Musik ihr ganzes Leben ist. Musik ist nicht mein Leben, sondern mein Leben ist mein Leben. Aber Musik ist halt ein riesengroßer Teil davon – schon seit ich ganz klein bin. Aber ich wollte wirklich nie so ein einseitiger Nerd sein, der nur mit Musik zu tun hat. Worüber soll ich denn dann auch Lieder schreiben – darüber, dass ich Lieder schreibe? Was treibst du denn sonst noch so? Kopplin: Meine persönliche Leidenschaft ist Parkour. Das mache ich seit mehr als zehn Jahren und war damals auch einer der Ersten in Deutschland, der mit dabei war. Bevor das mit unserer Musik so krass abging, habe ich auch mein Geld damit verdient und war Trainer für Parkour. Das ist ja wirklich ganz weit weg von Musik. Die Live-Auftritte sind zwar auch körperlich anstrengend, aber Parkour ist eine ganz andere Art von Körperlichkeit. Diese Zeit hat mein Leben echt geprägt – Drogen allerdings auch. Inwiefern? Kopplin: In meinen Songs kommt das Thema Drogen ab und zu vor. Aber ansonsten finde ich eigentlich, dass ich eine ganz normale schräge Berliner Biografie habe. Ich kiffe gerne mal. Die Freiheiten nehme ich mir ab und an – der Rausch gehört für mich zum Leben dazu. Die ganzen chemischen Drogen bei den jungen Kids von heute feiere ich allerdings nicht, denn auch in meiner Jugend gab es mal Phasen, in denen es in der Hinsicht etwas böser aussah. Ich kenne aber viele Leute, die noch viel krassere Erfahrungen gemacht haben – andersherum kenne ich auch Menschen, die gar keine Erfahrungen damit gemacht haben. Du redest aber offensichtlich ganz offen über Drogen. Kopplin: Ja das stimmt. Und eigentlich spreche ich das Thema auch gerne an, weil es wichtig ist, differenziert darüber zu reden. Die Verdammung von Drogen hat negative Folgen – die Verherrlichung aber natürlich auch. Ich habe auch wirklich schon mal überlegt, ob ich Drogen-Aufklärungsvideos auf Youtube mache, aber die gibt es, glaube ich, mittlerweile auch schon oft genug.

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