Tom Gaebel im Interview. - © Christoph Kassette/PR
Tom Gaebel im Interview. | © Christoph Kassette/PR

Kopf der Woche Tom Gaebel: „Sinatra muss einfach Sinatra bleiben“

Lauscht man dem Sänger mit geschlossenen Augen, klingt er fast wie der US-amerikanische Sänger. Im Interview erzählt der 42-Jährige, woher seine Liebe  zur Musik seines Vorbildes stammt und wie er Weihnachten feiert

Dirk Kröger

Tom Gaebel ist „der deutsche Frank Sinatra", ein Musiker mit Talent. Der 42-Jährige spielt Geige, Schlagzeug, Klavier und Posaune und schloss sein Musikstudium im Hauptfach Jazzgesang mit Auszeichnung ab. Dann hat er es mit Rock versucht, fand jedoch im Jazz ein Zuhause. Momentan steht er mit swingender Weihnachtsmusik auf der Bühne. Wir haben Tom Gaebel vor seinem Auftritt in Herford getroffen. Ein Gespräch über sein musikalisches Vorbild und Weihnachten bei den Gaebels. Herr Gaebel, wie findet ein Mensch in Ihrem vergleichsweise geringen Alter eigentlich zum Swing – die Musikrichtung dürfte doch in Ihrer Jugend nicht die entscheidende Rolle gespielt haben? Tom Gaebel: Ich komme aus einem sehr musikalischen Elternhaus, und schon in meiner Kindheit gehörte Musik einfach zu meinem Leben. Da gab es zunächst eine musikalische Frühausbildung mit Glockenspiel und Flöte, dann den Knabenchor und Geigenunterricht. Mit 14 habe ich Schlagzeug gelernt, mit 17 Posaune. Und über das Instrument habe ich im Grunde genommen logischerweise zum Jazz und Swing gefunden. Mit 19 bin ich dann Fan von Frank Sinatra geworden und habe seine Musik für mich entdeckt.Stichwort Sinatra: Seine Songs singen Sie besonders gern und auch enorm erfolgreich. Sind das reine Kopien – oder interpretieren Sie das mit eigenem Stil? Gaebel: Ich bemühe mich zwar nicht, hundertprozentige Kopien zu singen, aber wenn man das gut singen kann, hat man schon viel richtig gemacht. Und deswegen verändere ich seine bekannten Hits auch nicht, denn Sinatra muss einfach Sinatra bleiben. Frank Sinatra scheint also so etwas wie ein Vorbild für Sie zu sein. Seine nicht-musikalische Mafia-Vergangenheit allerdings sind ja nicht unumstritten . . . Gaebel: Abseits der Musik war bei ihm wie bei vielen anderen bekannten Interpreten sicher nicht alles in Ordnung – aber das hat mich nie interessiert, ich habe auch kein Problem damit. Sicher ist, dass er musikalisch mein größtes Vorbild ist und mich beeinflusst hat wie kein anderer. Ihre derzeitigen Konzerte stehen unter dem schönen Titel „Swinging Christmas". Weihnachten und Swing – sind das Synonyme für Sie? Gaebel: Synonyme sind es nicht gerade, aber es passt gut zusammen. Es gibt ja sehr viele Weihnachtslieder im Swing-Gewand, offenbar waren die Musiker in den 40er- und 50er-Jahren da besonders kreativ. In der Zeit sind die deutlich interessantesten Songs entstanden, viele Klassiker kommen aus der Zeit – und die spiele ich sehr gern bei meinen Konzerten. Und welche Musik läuft bei Ihnen daheim am 24. Dezember? Gaebel: Da wird es sehr wenig Musik geben, vielleicht läuft irgendetwas im Hintergrund. In den Tagen vor Weihnachten bin ich viel unterwegs, da darf es dann an den Festtagen auch gern etwas ruhiger zugehen. Und wir führen zu Weihnachten immer viele Gespräche. Wie feiern Sie denn überhaupt Weihnachten – so klassisch im Familienrahmen? Gaebel: Ja, genau so wird das sein. Wir feiern zuhause in Ibbenbüren, ich habe an den Tagen frei. Zusammen mit meinen drei Brüdern werden wir unsere Mutter besuchen. Und ganz traditionell wird es Würstchen und Kartoffelsalat geben. Gibt es einen besonderen Weihnachtswunsch? Gaebel: Nein, ich bin wunschlos glücklich. Sie haben ja auch schon Rock-Musik im Swing-Gewand versucht. Klappt das eigentlich? Gaebel: Da war ich nicht der Erste, das haben einige Jazzmusiker vor mir gemacht. Und wir haben auch schon umgekehrt Pop zu Swing gemacht. Wenn der Song gut ist, funktioniert der auch in vielen Stilrichtungen. Das macht einfach Spaß, so etwas musikalisch zu verändern. Sie haben vor einigen Jahren Ihren Namen geändert, aus Gäbel wurde Gaebel. Warum eigentlich? Gaebel: Ich habe damals in den Niederlanden gewohnt, und da gibt es kein „ä". Außerdem gab es wegen des Umlauts oft Probleme mit Internet-Adressen. Im Pass steht übrigens immer noch Gäbel, und ich unterschreibe auch noch so. Zielte diese kleine Namensänderung auch auf internationale Engagements ab? Und gibt es die? Gaebel: Nein, das zielte nicht explizit darauf ab. Meine Konzerte sind in erster Linie im deutschsprachigen Raum, ich bin außerdem auch in Holland und in Prag aufgetreten. Aber natürlich wären internationale Auftritte schön – ich würde extrem gern einmal in Las Vegas auf der Bühne stehen. So ein wenig international geht es einmal im Jahr zu, wenn ich auf einem Kreuzfahrtschiff spiele, der MS Europa. Von der großen, weiten Welt nach Ostwestfalen: Im Rahmen Ihrer Weihnachts-Tournee haben Sie einen Stopp in Herford eingelegt und ein Konzert vor gerade einmal 250 Besuchern gegeben. Warum das, gibt es hier besonders viel zu verdienen? Gaebel: Das mit Sicherheit nicht, aber es macht uns hier besonders viel Spaß. Wir haben ja vor einem Jahr schon einmal in diesem Lokal in Herford gespielt und hätten nun eigentlich einen Off-Day gehabt. Dann kam die Anfrage und wir haben spontan zugesagt. Es ist einfach schön, in einer derartigen Club-Atmosphäre zu spielen, auf einer kleinen, engen, schwitzigen Bühne und dabei besonders nah am Publikum dran zu sein. Sie sind ja in Gelsenkirchen geboren und in Ibbenbüren aufgewachsen, also ein waschechter Westfale. Was an Ihnen ist typisch westfälisch? Gaebel: Wenn ich andere Menschen treffe, sind die oftmals viel enthusiastischer; ich denke, ich bin nüchterner. Und wie das bei Westfalen so ist: Wenn man nichts sagt, ist das eigentlich schon ein Lob. Welche Musik, welche Musiker außerhalb des Swings mögen und hören Sie gern? Gaebel: Das ist die am schwersten zu beantwortende Frage, weil das bei mir immer wieder andere sind. Einerseits bin ich sehr von der Gruppe Queen geprägt, andererseits höre ich zu Hause auch viel Klassik. Und dann bin ich auch noch ein großer Paul Simon-Fan. Wie wäre es eigentlich mit Tom Gaebel beim European Song Contest – hätte ein Swing-Titel da eine Chance? Gaebel: Lupenreiner Swing hätte sicher keine Chance, aber der richtige Song im richtigen Gewand würde funktionieren. Ich hätte durchaus Spaß daran, da mitzumachen, wir haben auch mal ernsthaft darüber nachgedacht. Es ist aber kein großer Traum von mir, ich wäre da ja ein Exot. Und die Teilnahmebedingungen werden immer wieder geändert, da schaut ja niemand mehr durch.

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