Verlegerin: Laura Bruning veröffentlicht Geschichten über die dunkle Seite der Seele. - © Foto: Maria Frickenstein
Verlegerin: Laura Bruning veröffentlicht Geschichten über die dunkle Seite der Seele. | © Foto: Maria Frickenstein

Kultur Eine Chance für Autoren

Dark Drama: Der agile Bielefelder Gorilla Verlag lobt einen Wettbewerb für Autoren aus, die gerne Kurzgeschichten über irreale Welten und dunkle Zukunftsszenarien schreiben. Zeit ist bis zum 1. August

Bielefeld. Der Bielefelder Gorilla Verlag mausert sich. Vor zwei Jahren gründete Laura Bruning aus Halle den Verlag, veröffentlichte zunächst ihr Roman-Debüt „Von Göttern aus Maschinen“. Dann folgte ein Wettbewerb, aus dem sie 13 Autoren für die Anthologie „Abwegich“ gewann. Jetzt lobt die Verlegerin, die Anglistik und Literaturwissenschaft studierte und den Master machte, erneut einen Wettbewerb aus. Der Verlag sucht noch gute Autoren, die sich dem Genre des „Dark Drama“ nah fühlen. Noch bis zum 1. August sind neue Texte willkommen. Thema: „Alles hätte so schön sein können“. Wer jetzt eine Idee hat, von der dunklen Seite der Seele zu erzählen, Lust hat, mit 26 Buchstaben eine verstörende Atmosphäre zu erzeugen oder gar eine scheinbar stabile Realität aus den Angeln zu holen vermag, der könnte es mit einem Text versuchen. „Das Dark Drama hat sich aus dem Psychothriller entwickelt“, so Bruning, die durch ein Filmseminar auf dieses Genre aufmerksam wurde. Daneben gibt es Anleihen aus Horror, Mystery und Science Fiction. „Wir, das bin ich“, lacht Laura Bruning. Zwar sei sie die Verlegerin, aber sie arbeite bei ihren Buchprojekten gern mit anderen zusammen. Für „Abwegich“ engagierte sie Grafiker, die für jede Erzählung eine Illustration fertigten, mal in Bleistift, Tinte oder Kugelschreiber, auch in Aquarell oder als digital kreiertes Bild."Ich mache alles vom Sofa aus" Das Buch-Cover mit dem irritierenden Schädel entstand so zum Beispiel aus den Händen der Berliner Tätowiererin Nadine Tischendorf. Freie Lektoren unterstützen sie bei den Korrekturen. „Ich wohne in einer Ein-Zimmer-Studentenbude und mache alles vom Sofa aus“, sagt die 28-Jährige lachend. Auf dem Sofa sitzt sie dann ganz leger mit der Lektorin, die auf ihr Tablet schaut, die Verlegerin hingegen auf denselben TV-Monitor-Text, ein Papier schonende Methode. In der ersten Anthologie erschien auch ein Text der Karlsruher Autorin Johanna Wohlgemuth, die 2017 den Fränkischen Krimipreis erhielt. „Was sie schreibt, sollte ins Regal kommen“, so Bruning. Ihr gefiel ihre Geschichte so gut, dass sie Wohlgemuths 123-Seiten starken Zeitroman „Frau Schnieder kehrt heim“ als Einzelband veröffentlichte, in der Schrift Georgia. Diese gut lesbare, klare Schrift bevorzugt die Verlegerin schon seit einigen Jahren. Die Heldin wird 1932 kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges plötzlich aus der Psychiatrie entlassen und muss sich neu zurechtfinden. In den Händen von Laura Bruning liegt auch ihr eigenes neues Romanmanuskript „Der König des Sterbens“, noch in der Bearbeitungsphase wie man sieht. Der Monarch verkündet drei Männern in einer Bar, dass sie noch an diesem Abend sterben werden. „Es ist ein Gedankenexperiment“, so die Autorin. Die Idee kam ihr, als sie „Den Untergang“ über die letzten Tage Adolf Hitlers sah. Losgelöst vom Kontext blieb die Kernfrage, was an einem solchen letzten Tag zu tun ist. Im August ist es dann so weit. Der Roman wird gedruckt sein, eine Lesung mit Bildern und Tönen ist geplant. Und der brüllende Gorilla, Verlagssignet und markantes Markenzeichen? Laura Bruning weiß es mit Bestimmtheit: „Das ist mit Sicherheit ein Silberrücken.“ Einsendungen für den Wettbewerb an info@gorillaverlag.com.

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