Eröffnungs-Lesung: Autorin Eva Menasse kam nach Detmold. - © Raphael Bartling
Eröffnungs-Lesung: Autorin Eva Menasse kam nach Detmold. | © Raphael Bartling

OWL OWL-Festival „Wege durch das Land“ gestartet

24 Veranstaltungen bis zum 23. August

Raphael Bartling

Detmold. In Detmold ist am Donnerstag die Auftaktveranstaltung des Literatur- und Musikfestivals „Wege durch das Land" über die Bühne gegangen. Rund 500 Besucher waren zum Startschuss im Konzerthaus der Hochschule für Musik, welche die Organisatoren als neuen Kooperationspartner gewinnen konnten, dabei. Die Künstlerische Leitung liegt seit dem Herbst des vergangenen Jahres bei Schauspielerin Helene Grass und Schauspieldramaturg Albrecht Simons von Bockum Dolffs. Für die 18. Auflage des Literatur- und Musikfestivals haben die beiden das Thema Heimat in den Mittelpunkt gerückt. Noch bis zum 23. August stehen 24 Veranstaltungen auf dem Programm. „Von Heimat zu erzählen, war in diesem Jahr unser großes Anliegen. Heimat als Gefühl ist oftmals auch in der Literatur und in der Musik zu finden. Hier in Ostwestfalen-Lippe haben wir eine große Heimatverbundenheit der Menschen zu der Region. Im Gegensatz dazu steht die Heimatlosigkeit zahlreicher Flüchtender und die Betrachtungsweise vieler Künstler, die ihre Heimat vielmehr in der Sprache oder der Musik finden", so Helene Grass. Eindrucksvoll und wortgewandt präsentierte die in Berlin lebende, österreichische Schriftstellerin Eva Menasse ihre Antwort auf die Frage, was Heimat bedeutet. Für ihre einzigartige Prosa wurde sie erst kürzlich mit dem Friedrich-Hölderlin-Literaturpreis der Stadt Bad Homburg bedacht. Mit ihrer Rede an die Sprache berichtete sie dem Publikum unter der Überschrift „"Sprache ist dicker als Blut" von den Unterschieden zwischen „Ö-Deutsch" und „D-Deutsch" oder ihrem Weg von Küberl und Schauferl hin zu Eimer und Schüppe. Menasses große Obsession ist das Schreiben. Jeden Morgen beginne sie mit dem 'Flöhen', dem Kürzen und Redigieren eines Textes. „Das Flöhen macht die meiste Arbeit und den größten Spaß. Es gibt Stellen, die schreibe ich ein Dutzend Mal um." Auch gebe es Tage, da schreibe sie nach dem Flöhen bloß noch ein, zwei Zeilen. Menasse vergleicht das Entwerfen eines Textes mit den Fingerübungen eines Pianisten der nächtelang probt, nur um eines Tages Franz Liszts „La Campanella" vermeintlich aus dem Ärmel zu schütteln. Mit einnehmendem wienerischen Charme erklärt sie an anderer Stelle etwa die ökonomische Verwendung der österreichischen Allzweck-Redewendung „Es geht sich aus", die sowohl beim Parken, im Supermarkt oder bei einer unverhofften Begegnung mit dem Ex-Mann ein nützlicher Begleiter sein kann. Weiterhin auf der Bühne: Die Schauspieler Julia von Sell und Thomas Thieme, die Wolfgang Herrndorfs Geschichte „Im Oderbruch" vortrugen. Das Ensemble „Franui Musicbanda" sorgte überdies für virtuos-musikalische Untermalung. Insgesamt 29 Veranstaltungen an 22 Orten umfasst die aktuelle Auflage des Literatur- und Musikfestivals „Wege durch das Land". 195 Künstler aus weiten Teilen der Welt haben sich angekündigt.

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