Kultur Literatur aus OWL: Letzter Krimi mit Laufente

Thomas Krüger legt Band vier seiner Serie um Hobbyermittler Erwin Düsedieker in einer fiktiven ostwestfälischen Provinz vor. Diesmal treibt er das Geschehen auf die Spitze

Martin Fröhlich

Löhne. Politische Quereinsteiger sind im Moment nicht so beliebt. Das mag mit Herrn Trump in Washington zu tun haben. Ein Mann könnte das schlagartig ändern: Erwin Düsedieker. Vielleicht nicht global, aber doch ganz lokal irgendwo in seiner halbfiktiven ostwestfälischen Heimat in den Büchern von Krimi-Autor Thomas Krüger. Mit „Erwin, Enten, Präsidenten", legt der gebürtige Löhner Teil 4 der Serie um den verkannten Dorftrottel Düsedieker und dessen so putzige Laufenten vor. Eine würdige Fortsetzung, so viel sei schon gesagt. In einer Kritik über Krügers Bücher hieß es einmal: „Ein Ermittler ist nur so gut wie seine Enten." Stimmt vollkommen und wäre zu erweitern, denn eine Krimi-Reihe ist nur so gut wie ihre Steigerung. In Sachen Laufenten hat der Autor das getan. Auf Lothar folgt Partnerin Liesbeth, wenig später Kind Alfred. In Band vier bleibt es bei dieser Entenfamilie. Und auch beim eigentlichen Hauptdarsteller – immer unter Druck durch die watschelnde Konkurrenz – baut Krüger aus. In Band eins gelingt es Erwin Düsedieker als Mittfünfziger endlich, aus dem Schatten des übermächtigen Vaters herauszutreten und zumindest einigen Leuten in Versloh klar zu machen, dass er mitnichten ein Dorftrottel von beschränkter Intelligenz ist. Band zwei eröffnet ihm die Damenwelt, bestehend aus Rentnerin Lina, seiner ersten und wohl auch letzten Lebenspartnerin. "Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören" Im dritten Abenteuer bricht „Äwinn" zum ersten mal aus dem ostwestfälischen Heimatgefängnis seines Daseins aus und reist unfassbar weit: an die Nordsee. Immer sind es dabei jene unerklärlichen Morde, die seinen Lebenshorizont, der zuvor aus Schaumbädern in seiner Bibliothek und den für ihn rätselhaften Meisterwerken der Weltliteratur bestand, erweitern. Nun also in Band vier die Politik. Die Politik? „Ich wollte für den anfänglich fast vereinsamten, für trottelig gehaltenen Sonderling die ultimative Entwicklung", sagt Krüger. Absicht ist es nicht, dass Erwin Düsedieker in den örtlichen Wahlkampf verwickelt wird. Lebensgefährtin Lina hat sich in den Kopf gesetzt, Bürgermeisterin zu werden. Prompt liegt Amtsinhaber Fritzwalter Kleinebregenträger tot in einem Bach. Ein Grund für Erwin, die Gummistiefel anzuziehen, die Laufenten zu alarmieren und an die Ermittlungsarbeit zu gehen. Der Anfang einer unglaublichen Geschichte, deren Höhepunkt der Wahlsonntag wird und bei der eine Psychiatrische Klinik eine große Rolle spielt. Klingt nach reichlich skurrilem Krimivergnügen, und das ist es auch. „Und wenn es am schönsten ist, soll man ja aufhören", sagt Thomas Krüger mit einem Augenzwinkern – und tut das. Die Reihe endet mit dem vierten Band. Erwin Düsedieker geht also in den Ruhestand, sein Schöpfer noch lange nicht. Die nächsten Projekte laufen bereits, darunter eines seiner ebenfalls so geliebten Kinderbücher. Sein Schlusswort zu Düsedieker: „Ich hoffe, Erwin ist als Figur den weitest möglichen Weg gegangen." In Gummistiefeln und mit Laufente, versteht sich.

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