Hier war der Rotstift am Werk: Der Lyriker Hellmuth Opitz mit dem Textbuch zu „Tilda". - © Maria Frickenstein
Hier war der Rotstift am Werk: Der Lyriker Hellmuth Opitz mit dem Textbuch zu „Tilda". | © Maria Frickenstein

Kultur Bielefelder Lyriker Hellmuth Opitz schrieb zum ersten Mal ein Libretto

Er erzählt, wie er als Dichter und Rockmusik-Fan zu dieser Aufgabe kam

Maria Frickenstein

Bielefeld. „Wenn mir jemand vor drei Jahren gesagt hätte, dass ich ein Libretto schreiben würde, hätte ich das weit von mich gewiesen", sagt Hellmuth Opitz mit einem Lachen. Aber man soll ja bekanntlich nie „Nie" sagen. Hellmuth Opitz ist Bielefeldern vor allem durch seine Lyrik bestens bekannt. Sein erneut erwecktes Interesse für Musik begann beim 800-jährigen Jubiläum der Stadt Bielefeld 2014, als er den „Bielefelder Psalm" für den „Schlussakkord" des Festfinales schrieb. Vertont wurde das Chanson-Gedicht vom Komponisten Bernd Wilden, aufgeführt vom Ev. Kirchenkreis. "Die Songs zu schreiben war ganz leicht« Noch im selben Jahr fragte der Musik- und Kunstschuldirektor Johannes Strzyzewski an, ob der Lyriker sich vorstellen könne, eine Pop-Oper für Kinder zu schreiben. Er konnte, allerdings erst nach einer Bedenkzeit von einem Monat. Ein Libretto verlangt eine enge Bindung zwischen Text und Musik. Aber wie viel Sprechtext benötigt man für zwei Minuten, wie viele Songs für eine Veranstaltung von 90-120 Minuten?Hellmuth Opitz mag Bob Dylan und Bruce Springsteen, spielte, bevor er das Schreiben für sich entdeckte, akustische Gitarre und Bass-Gitarre. „Ich schrieb englische Songs, noch bevor ich das erste Gedicht geschrieben habe", so Opitz. Songs schreibt er bis heute, so zum Beispiel für die Bielefelder Band „The Uschi Obermaier Experience" und den Musiker Bernd Hövelmeyer. Nach einem halben Jahr gab es die Geschichte. Bis zum fertigen Libretto sollte es noch zwei Jahre mit einigen Wochenendschichten benötigen. „Tilda hat die größte Fallhöhe", erklärt Opitz die Funktion des Titel gebenden 16-jährigen Mädchens, schüchtern und wegen ihrer Träume oft in eine andere Welt ver-sunken. „Tilda" erzählt von sieben Schülern, die einen fantasievollen „Besinnungsaufsatz" über den so genannten „Ernst des Lebens" schreiben sollen. Die Reinigungskraft, ein Mann aus Syrien, hilft ihnen weiter. Er nimmt sie mit in das „Land der Wirklichkeit", in seine Heimat, in der die Einwanderer ihre Träume an der Grenze abgeben müssen. „Was mich reizte, war die Form", so der Lyriker über die vielschichtig angelegte Pop-Oper. Ähnlich wie beim Musical verlangt sie griffige, authentisch wirkende Dialoge, die auf der Bühne funktionieren und recht kurz sein sollten. Opitz hatte beim Schreiben Spaß am frechen Wortwitz, der an 10- bis 16-Jährige gerichtet ist. „Die Songs zu schreiben war ganz leicht", so der Lyriker. Wichtig war es, leicht verständliche Verse zu verfassen, keine komplexen Metaphern zu verwenden. Vor allem der Refrain sollte zum Mitsingen einladen. So entstand der Song des Lehrers, ein Rap, auch das Lied der Traumtänzerin Tilda. 62 Seiten umfasst das Manuskript, drei Akte, die vom Komponisten Johannes Strzyzewski vertont werden, davon rund zehn Songs, ein Mantra, ein Gedicht, natürlich genaue Regieanweisungen. In engem Kontakt mit den Regisseuren Gunther Möllmann und Annalena Balke muss Hellmuth Opitz stets auf Neue bereit sein, am Skript etwas zu verändern. Mal gelte es, eine neue Rolle einzufügen, weil es noch eine Schülerin gibt, die richtig gut singen kann. Oder Passagen so zu ändern, dass sie auf der Bühne greifen und nicht untergehen. Noch gibt es im Libretto viele Anmerkungen mit dem Rotstift. Aber bis bis Aufführung ist ja noch Zeit. Am 2., 3. und 4. Februar, 19.30 Uhr, wird „Tilda" mit rund 250 Schauspielern, Tänzern, Sängern und Musikern in der Oetkerhalle uraufgeführt. Karten gibt es unter anderem bei der NW, Tel. 55 54 44.

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