In London geboren: Sharon Dodua Otoo lebt in Berlin. - © Maria Frickenstein.
In London geboren: Sharon Dodua Otoo lebt in Berlin. | © Maria Frickenstein.

Kultur Preisträgerin Sharon Dodua Otoo liest in Bielefeld

Die britische Schriftstellerin ist diesjährige Trägerin des Ingeborg-Bachmann-Preises und las im Eulenspiegel aus ihrem Text, aus dem bald ein Roman werden soll

Maria Frickenstein

Bielefeld. Für ihren Text über ein deutsches Ehepaar wollte sie unbedingt einen „Helmut", verriet sie ihrem Publikum im Buchladen Eulenspiegel. Aus unzähligen Persönlichkeiten wählte sie Helmut Gröttrup, Raketeningenieur und Assistent von Wernher von Braun. „Ich konnte den Namen kaum aussprechen", sagt Sharon Dodua Otoo lachend. Im Buchladen liest sie eine kleine Geschichte um einen Kreis, den Text „Herr Gröttrup setzt sich hin" und einige Episoden aus ihrer Novelle „die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle". Sharon Dodua Otoo ist in London geboren, hat ghanaische Wurzeln. Sie studierte „German and Management Studies" in London und lebt heute in Berlin. Als Aktivistin publiziert sie unter anderem zu Themen der Schwarzen Bewegung und gibt die englischsprachige Buchreihe „Witnessed" heraus. Im kleinen ambitionierten Verlag „edition assemblage" ist auch ihre jüngste Novelle „Synchronicity" zweisprachig (englisch/deutsch) erschienen. Der Kreis sucht seine Identität Wer könnte so humorvoll, schalkhaft fast, von menschlichen Unzulänglichkeiten erzählen wie Sharon D. Otoo in ihrer Erzählung „Die Geschichte vom Kreis und Viereck" liest die Autorin vom Kreis, der nach seiner Identität sucht und von den Drei- und Viereckigen keine Akzeptanz erfährt. Vielmehr versuchen die Figuren, die in der Mehrheit sind, den Kreis mit ihren Begriffen zu betiteln. Bald gesellt sich zum Kreis ein zweiter, die Lage wird besser. Der Blick auf die eigene „Formidentität" verändert sich. Eine schöne Geschichte über Fremd- und Anderssein, Ausgrenzung und Identitätssuche. „Der Text lag zwei Jahre lang in der Schublade", so Otoo über ihre Erzählung „Herr Gröttrup. . .". Den Bachmannpreis habe sie zuvor nicht gekannt, auch nie was über Loriots „Frühstücksei" gehört. Otoo wechselt ungewöhnlich die Perspektive. Jetzt ist das erzählende Ich selbst das Ei und das wird nicht hart, bloß, um den peniblen Herrn Gröttrup zu provozieren. Es möchte „einfach ein Ei sein", im „Kühlschrank chillen". Es ist auch ein Ei, dass über die Bilder der Toten und Nicht-Geborenen philosophiert. Mit Leichtigkeit erzählt die Schriftstellerin von den Unbillen einer langen Ehe. Das Lachen darüber fällt leicht und es sind wohl der besondere Blickwinkel und die schalkhaften Sprünge, die den Zuhörer dabei überraschen.

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