In Frankfurt wird es unter anderem eine Freiluftbibliothek geben. - © dpa
In Frankfurt wird es unter anderem eine Freiluftbibliothek geben. | © dpa

Literatur Romane, Krimis, Musikbücher: Die Verlage aus OWL bei der Buchmesse

Pendragon, Aisthesis, Delius Klasing, Gütersloher Verlagshaus und Paderborner Verlage präsentieren sich in Frankfurt

Holger Kosbab
Heike Krüger

Thomas Klingebiel

Rolf Birkholz

Bielefeld. Mehr als 7.000 Aussteller sind auf der internationalen Bücherschau zu Gast. Am Wochenende öffnet die Fachmesse für das allgemeine Publikum. Auch fünf Verlage aus Ostwestfalen-Lippe präsentieren sich mit Kriminalromanen, Ratgebern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Wir stellen ihr Programm vor. Pendragon Verlag: Viele Krimis und ein Roman Als Pendragon am 21. Oktober 1981 gegründet wurde, war die Frankfurter Buchmesse gerade vorbei. Aber gleich im nächsten Jahr präsentierte Günther Butkus sein Verlagsprogramm beim weltweit größten Büchertreff. Seitdem ist er jedes Jahr mit eigenem Stand in Frankfurt vertreten. „35 Jahre – ich bin wohl so etwas wie ein Dinosaurier der NRW-Kleinverlagsszene geworden", sagt der Verleger. Den Verlagsgeburtstag und den 80. seines Krimi-Starautors James Lee Burke am 5. Dezember nimmt Butkus zum Anlass, neben „Neonregen" einen zweiten, im Herbstprogramm nicht angekündigten Burke-Titel aus der vielgelobten Robicheaux-Reihe herauszubringen: „Blut in den Bayous". Darin hat Mordermittler Dave Robicheaux seinen Dienst quittiert und einen Bootsverleih eröffnet. Dann stürzt vor seinen Augen ein Flugzeug in die Bayous. Die Polizei scheint das Unglück vertuschen zu wollen. Robicheaux ermittelt auf eigene Faust und sticht in ein Wespennest. Neu bei Pendragon ist auch der packende Polit-Thriller „Lügenland" von Gudrun Lerchbaum, der in die fiktive Zukunft eines rechtspopulistisch regierten Überwachungsstaats Österreich versetzt. Mit „Hattinger und der Schatten" kommt zudem der dritte Band von Thomas Bogenbergers, vom ZDF auch mit Michael Fitz verfilmten Hattinger-Reihe heraus. „Sehr am Herzen", sagt Butkus, „liegt mir der Roman ,Duft nach Weiß’ von Stefanie Gregg." Einfühlsam verknüpft die Autorin mehrere Schicksale: die Flucht einer bulgarischen Familie nach Deutschland und den Regenschirm-Mord an dem regimekritischen bulgarischen Schriftsteller Georgi Markow 1987 in London. Am 7. November erscheint „Der Mordfall Franziska Spiegel" von Norbert Sahrhage, dessen Roman „Der tote Hitlerjunge" in Fortsetzung in dieser Zeitung abgedruckt wurde. Sahrhage hat den von SS-Männern 1944 in der Nähe von Bünde verübten Mord an der Jüdin Franziska Spiegel über viele Jahre recherchiert und zu einem Roman verarbeitet. Halle 4.1 F 75 Aisthesis Verlag: Über die Kindheit im Kohlenpott Mit 53 Neuerscheinungen geht der Bielefelder Aisthesis Verlag auf der Buchmesse an den Start. „Wir wollen einen unserer Schwerpunkte, den für Westfälische Literatur, weiter ausbauen", sagt Verleger Detlev Kopp und verweist auf sieben handliche Lesebücher mit Texten westfälischer Autoren, darunter Frank Göhre, Hans Wollschläger, Josef Reding. Zu dem Themenkomplex gehört auch das diesjährige „Großwerk" des Verlags, die zweibändige, 900 Seiten starke „Chronik der westfälischen Literatur 1945–1973" sowie, „eher für interessierte Laien", das handlichere „Vom Heimatroman zu Agitprop 1945-73". Ein Stück Regionalgeschichte findet man in Erich Grisars Roman „Ruhrstadt", außerdem hat Aisthesis das Werk „Kindheit im Kohlenpott" des 1955 gestorbenen Arbeiterautors und Fotografen mit fantastischen Ruhrgebiets-Fotografien verlegt. Erst 2017 wird es eine Fortsetzung der Bände mit Essays von Heinrich Mann geben, kündigt Kopp an. Einer der für ein größeres Publikum interessanten Veröffentlichungen werde die Biografie der Gütersloher Professorin und Unternehmerin Ulrike Detmers, geschrieben von Anne Kitsch, sein. Die Fotos in dem Band stammen von dem bekannten Fotografen Jim Rakete. Vorgestellt wird der Band am 14. November in Gütersloh. Eines seiner „Lieblingsbücher" der Saison sei Christine Wand-Wittkowskis „Elegant, kultiviert, beschränkt. Höfische Kultur im Mittelalter", mit erstaunlichen Erkenntnissen über die Rolle der Frau in Zeiten des Minnegesangs, so Kopp. Zur Genderdebatte trägt der Verlag „Stimmen und Räume der Gewalt" von Urania Milevski bei. Eine Würdigung erfährt der verstorbene Bielefelder Literaturwissenschaftler Jörg Drews mit „Lob des krummen Holzes. Über Paul Wühr" (u.a. mit drei Texten Wührs). Einen hübschen, kleinen Lyrikband mit Aquarellen der Autorin, der Detmolderin Christa Meier-Drave, erwirbt man mit „Hexenzwirn und Wolkenseide". Halle 4.1 F 94 Delius Klasing: Queen erweitert die Musikbuchbände Der Einstieg als Musikbuchverlag mit den Beatles und Bob Dylan verlief so vielversprechend, dass zur Buchmesse Band drei in den Handel kommt: „Queen – Pomp, Rock & Circumstances". „Wir haben uns vorgenommen, wenigstens einmal im Jahr einen Musiktitel herauszubringen", sagt Christian Ludewig, Pressesprecher des Bielefelder Medienhauses Delius Klasing. Der reich bebilderte 300-Seiten-Band, eine von zwölf Messe-Novitäten des Verlags, erscheint passend zum 25. Todestag von Queen-Sänger Freddie Mercury. Die Geschichte der legendären Glamrock-Band („Bohemian Rhapsody") hat der bekannte Rockjournalist Phil Sutcliffe aufgeschrieben. Er stellt auch ausführlich jede Queen-LP vor. Ein weiterer Spitzentitel der edlen „Edition Delius"-Reihe ist die Bildband-Einladung, guten Wein mit allen Sinnen zu genießen. Jacopo Cossater und Fabio Petroni visualisieren originell die Aromen-Zusammensetzungen 40 herausragender Weine. Man sieht, was man schmeckt. Wissenswertes zu Farbe, Geruch, Geschichte und korrekte Verkostung der Weine ergänzt die Prachtbilder. Nach „Escapes", Stefan Bogners ästhetisch bestechenden Fotografien abenteuerlicher Alpenpässe, kommt nun die nicht minder faszinierende Winterreifen-Variante: Traumstraßen im Schnee. Natürlich haben auch die anderen klassischen Themen-Segmente von Delius Klasing Neues zu bieten. Maritimes: Stephan Boden liefert eine fundierte und unterhaltsame Anleitung zum Einhandsegeln; Tatjana Pokorny widmet sich „Frauen, die segeln". Sport: Ian Corless porträtiert die 35 härtesten Extremrennen der Welt („Ultraläufe"). Motorrad: Alles über den Mythos aus Milwaukee („Harley Mania"). Autosport: Die Rallye-Idole Walter Röhrl und Christian Geistdörfer lassen ihre Karriere Revue passieren („Walter und ich"); Jürgen Lewandowski setzt dem legendären Porsche 959 ein dreibändiges Denkmal (mit 128 Euro teuerstes Buch im Herbstprogramm). Gleich fünf Auszeichnungen des renommierten „gregor publisher calender award 2017" gehen an Kalender aus dem Haus Delius Klasing, unter anderem an „Subwaystations" und „Curves". Halle 3.0 D 97 Gütersloher Verlagshaus: Bücher, die bewegen Der Anruf erreichte ihn im Urlaub. „Herr Markmeier, ich bin gerade mit einer Jugendgruppe in Israel", ließ Bestsellerautor Manfred Lütz seinen Verleger wissen. Dann erzählte er über die Begegnung mit dem Auschwitz-Überlebenden und Künstler Jehuda Bacon. Darüber müsse unbedingt ein Buch gemacht werden. „Das Kennenlernen dieses Mannes hat mein Leben verändert", habe Lütz gesagt. So schildert Ralf Markmeier, Geschäftsführer des Gütersloher Verlagshauses, einen der Wege, auf denen ein Verlag zu Stoffen oder „Substanzen" (Markmeier) für Bücher komme. Das Gesprächsbuch „’So lange wir leben, müssen wir uns entscheiden’" mit einem Mann, der trotz schlimmer Erlebnisse das Gute im Menschen zu sehen versucht, musste schon nach einer Woche nachgedruckt werden. An dem Manuskript von Frank Behrendts „Liebe dein Leben und nicht deinen Job" wiederum hatten Verlage bei der vorigen Frankfurter Messe urplötzlich ein Interesse entwickelt, und die Gütersloher hatten sich bei der Agentin zur rechten Zeit richtig entschieden. Behrendt bietet „10 Ratschläge für eine entspannte Haltung". Die sind gefragt. Markmeier: „Dann gehen Bücher auf, wenn sie bei Menschen etwas bewegen." Diese Erkenntnis gilt im Gütersloher Verlagshaus, das für die Anfänge von Bertelsmann als christlicher Verlag steht, auch für religiöse Themen. Das persönliche Beispiel spreche mehr an als Theorie, so Markmeier. Darauf zielt etwa Daniel Böckings „Ein bisschen Glauben gibt es nicht". Aufklärungsarbeit will der Verlag mit „Wenn der Pfau weint" leisten, ein Erfahrungsbericht einer Frau über die „verschlossene Welt" der Glaubensgemeinschaft der Jesiden. Erstmals präsentiert sich der Verlag mit am Stand von Random House. Es würden keine Backlist-Titel mehr gezeigt, es kämen auch weniger Buchhändler als früher vorbei, so Markmeier. Entscheidend sei längst das Gespräch mit den Agenten, um so zu „neuen Substanzen" zu kommen. Der Anruf in den Ferien bleibt die Ausnahme. Halle 3.0 E 20 Paderborner Verlage: Kreisklasse und Luther-Kritik Fußball und Slam-Poetry, Heimat, Religion und ein Niklas-Luhmann-Comic: derart breit gefächert ist das Programm der Paderborner Verlage, die sich bei der Buchmesse präsentieren. Wer wissen möchte, wie es auf Kreisligaplätzen zugeht, wird beim Lektora-Verlag fündig. „Volle Pulle Kreisliga – Der ganz normale Wahnsinn!" ist ein Erlebnisbericht über den Amateurfußball von Thomas Bentler aus Altenbeken. Neu im Verlagsschwerpunkt Poetry-Slam sind Titel von Sebastian 23 („Hinfallen ist wie Anlehnen, nur später") und Stefan Dörsing („Scheitern ist okay, nicht scheitern ist okayer"). Halle 4.1 D59 Mit dem Thema „Gewaltfreie Kommunikation" wird der Junfermann-Verlag präsent sein. Zum 30-jährigen Bestehen dieses Kommunikationsansatzes wurden drei Grundlagentitel überarbeitet, darunter das bisher 350.000 Mal verkaufte „Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens" des Methodenbegründers Marshall Rosenberg. Halle 3.1 D147 Heimat und Religion sind Domänen des Bonifatius-Verlags. Gleich mehrere Titel erscheinen zum 500. Jahrestag der Reformation 2017. Einer davon ist Martin Thulls „Luther für Einsteiger – Die Reformation in 95 Stichworten"...

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