Leonore (Evelyn Krahe) und Manrico (Emmanuel di Villarosa) in der Detmolder Version von Verdis "Il Trovatore". - © FOTO: LANDESTHEATER/ LEFEBVRE
Leonore (Evelyn Krahe) und Manrico (Emmanuel di Villarosa) in der Detmolder Version von Verdis "Il Trovatore". | © FOTO: LANDESTHEATER/ LEFEBVRE

Detmold Dirk Schmeding debütiert am Landestheater Detmold mit Verdi

Evelyn Krahe ist stark als schreckliche Mutter des Troubadour

Detmold. Seine erste Regiearbeit am Landestheater zeigt den kaum 30-jährigen Dirk Schmeding als begnadeten Bühnen-Erzähler. Verdis wirren Troubadour-Stoff erzählt er als nachvollziehbare Geschichte von Rache, Furcht und Selbstbehauptung. Die Altistin Evelyn Krahe ragt in der Premiere aus einem starken Solistenensemble heraus.

Dirk Schmeding, der an der Detmolder Musikhochschule erste Erfahrungen mit Musiktheater machte und Regie-Größen wie Bieito und Konwitschny assistierte, bezieht sich im Programmheft programmatisch auf den frühen Götz Friedrich. Er hat Verdis romantisches Schauerstück komplett aus jedem historischen und gesellschaftlichen Kontext herausgelöst. Da ist nichts mehr mit Gut und Böse, Außenseitertum und Establishment, Machterhalt und Rebellion. Es geht nur um das eine: Zwei Brüder, die um ihre Geschwisterschaft nicht wissen, stehen sich in einer von Roheit und Gewalt geprägten Welt gegenüber, in der sie sich nur behaupten wollen - als Krieger und Rivalen.

Die Regie lässt den Troubadour Manrico (schön anzuhören, schauspielerisch stark: Emmanuel di Villarosa) als leicht verpeilten Straßenmusikanten auftreten. Kontrahent Graf von Luna (überzeugend: James Tolksdorf) ist nur ein verliebter Trottel, der gern an Rosen schnuppert.

"Warmherzig und dämonisch"

Doch die Verhältnisse in Verdis melodisch reichstem und populärstem Stück Musiktheater sind so, dass die Brüder nur Marionetten im ebenso verzweifelten wie unerbittlichen Spiel einer Mutter sind, die um gesellschaftliche Anerkennung kämpft. Evelyn Krahe singt und spielt diese Rolle überwältigend ausdrucksstark. Sie hat an diesem Abend eine Stimme und eine Ausstrahlung, die die Azucena zugleich warmherzig und dämonisch, verzweifelt flehend und voll drohender Düsternis wirken lässt - eine triumphale Leistung.

Diese schreckliche Mutter also zwingt den seinen Gitarrenkasten streichelnden Ziehsohn Manrico, das Kettenhemd des Kriegers wieder anzuziehen. Manricos Bindung an sie erweist sich als stärker als die an seine Geliebte - sie wird ihn schließlich das Leben kosten.
Auf der anderen Seite lässt sich auch Luna von seiner grölenden Soldateska in die ungeliebte Rolle des Kriegsführers drängen - und sogar zum Brudermord.

Schmeding gibt seinen Figuren Raum für Entwicklung und bringt Zug um Zug Klarheit in die anfangs undurchsichtige Handlung. Dabei hilft, dass nur die Kernsätze des Librettos der italienisch gesungenen Oper als Übertitel eingeblendet werden.

In den letzten beiden Bildern verzichten der Regisseur und seine Ausstatterin Susanne Ellinghaus allerdings auf jegliche äußere Aufladung. Die Inszenierung wirkt jetzt allein durch Körper und Stimmen: Großartig Marianne Kienbaum Nasrawis Leonore vor der düster nackten Kerkerwand; überzeugend das Quartett in der Hinrichtungs-Szene im Kerker.

Das anfangs nicht immer eindeutig agierende Orchester (Leitung Erich Wächter) steigert sich im Lauf der Aufführung. Chor und Extrachor überzeugen am Premierenabend schauspielerisch mehr als durch stimmliche Sensibilität. Nicht zuletzt die darstellerische Führung des Chores macht neugierig auf weitere Arbeiten des Debütanten.

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