Jakob Webers Foto zeigt die Wohnung seiner Oma, das Pressefoto einen Tsunami auf Sumatra 2004. - © FOTO: R. BITTNER
Jakob Webers Foto zeigt die Wohnung seiner Oma, das Pressefoto einen Tsunami auf Sumatra 2004. | © FOTO: R. BITTNER

Marta zeigt Ausstellung zum renommierten Nachwuchs-Wettbewerb für junge Fotografen

"Gute Aussichten 2012 / 2013"

Herford. Sieben Nachwuchsfotografen verschiedener akademischer Ausbildungsstätten zeigen unter dem Titel "Gute Aussichten – junge deutsche Fotografie 2012 / 2013" ihre Arbeiten im Marta. Das Herforder Museum ist erster Ausstellungsort der Wanderausstellung, die auch in Hamburg und den USA zu sehen sein wird.

Aus 108 Vorschlägen von 40 Ausbildungsstätten wählte die Jury des von Josefine Raab und Stefan Becht initiierten Wettbewerbs für junge Fotografen die Arbeiten aus. Diese warfen Blicke auf eine Welt, die hinter einer Flut von Informationen unsichtbar zu werden droht. "Was passiert?" ist eine Frage, "Was bleibt und ist es wert archiviert zu werden?" eine andere.

Henning Bode (FH Hannover) zeigt eine Schwarzweiß-Serie aus dem Mississippi-Delta, die dokumentarische Mittelformat-Porträts mit essayistischer Kleinbildästhetik mischt. Die Aufnahmen sind eindringlich und lassen beim Betrachter Fragen offen. Eine andere Form der Auseinandersetzung mit der Welt wählte Susann Dietrich (HBK Braunschweig). Ihre Arbeit "Das Singen der Perlmutt-Zirpe" umfasst Fotografien, Zeichnungen, Skulpturen, Fotogramme und Fundstücke. Studien zur Lichtbrechung stehen neben Teilen einer 503 Bilder umfassenden Serie eines Kristalls, in dem sich Erinnerungen brechen.

"Büropflanze" heißt Saskia Gronebergs (Staatliche Akademie für bildende Künste / Stuttgart) Arbeit, die in der Arbeitsplatzbegrünung ein Klassifikationssystem entdeckt, das sich in Fotografien und einem Folianten mit Pflanzenscans und Texten ausdrückt. Um den Gegensatz zwischen der auf Kollektivität angelegten Architektur von Kinderheimen in Russland und den ernsten Blicken isolierter Kinder geht es Svetlana Mychkine (FH Dortmund). "Zuckerblau" nennt sie ihre Arbeit. Fabian Rook (Muthesius Kunsthochschule Kiel) verließ für die schein-dokumentarische Serie "Desktop Evidence" seinen Schreibtisch nie. Die nüchternen Bilder lieferte Google-Streetview. Jakob Weber (HAWK Hildesheim) fotografierte für die Serie "In Gegenwart" Orte, an denen er sich aufhielt als anderswo Katastrophen wie das Zugunglück von Eschede geschahen. Seine Erinnerungsbilder mischen sich mit denen des kollektiven Gedächtnisses. Nocolai Rapps (FH Bielefeld) Serie "Dead White Men’s Clothes" zeigt vor weißem Hintergrund aus ihrer Umgebung gerissene Transportsäcke mit Kleiderspenden, die in Afrika Material für eine Umverteilungswirtschaft liefern.

Bei aller Unterschiedlichkeit zeigt die Ausstellung eine Fotografen-Generation, die sich wieder der Realität zuwendet, ohne allerdings Objektivität zu behaupten.

Die Ausstellung "Gute Aussichten – junge deutsche Fotografie 2012/2013" wird heute, Freitag, 19.30 Uhr, im Marta, Goebenstraße 4-10, eröffnet und ist bis zum 20. Januar zu sehen; geöffnet di. bis so. und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr, an jedem 1. Mittwoch im Monat bis 21 Uhr. Der Katalog ist im Fey-Verlag erschienen, 210 Seiten, etwa 300 Abbildungen, 19,99 Euro.

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