LÖHNE Spiegelbilder mähen

Der Künstler Ralf Witthaus verbindet Löhne und Auckland mit einer Rasenmäherzeichnung

VON STEFAN BRAMS
Mit diesem Plakat wirbt Ralf Witthaus für sein Projekt in Löhne und Auckland. - © FOTO: RALF WITTHAUS/HARALD NEUMANN
Mit diesem Plakat wirbt Ralf Witthaus für sein Projekt in Löhne und Auckland. | © FOTO: RALF WITTHAUS/HARALD NEUMANN

Löhne. Die Städte Löhne und Auckland haben wenig gemein. Doch das ändert sich in den kommenden zwei Monaten. Grund: Der mittlerweile international erfolgreich agierende Rasenkünstler Ralf Witthaus schlägt eine künstlerische Brücke zwischen seiner Heimatstadt Löhne und Neuseelands Millionen-Metropole Auckland. Unter dem Titel "Von der Heimat in die Ferne" mäht der 38-Jährige kreisrunde Rasenflächen in Löhne und Auckland und spiegelt die jeweils vorgefundene Landschaft in der anderen Region wider.

Nachdem Witthaus, der seit mehr als zehn Jahren mit seinen Rasenprojekten von sich reden macht, vor wenigen Wochen im Botanischen Garten von Auckland eine geeignete Fläche für sein Projekt bereits gefunden hatte, ist er nun auch in OWL fündig geworden. "25 Orte habe ich mir in Bielefeld, Herford, Bad Oeynhausen und Löhne angeschaut", sagt Witthaus, der überrascht war über die vielen Vorschläge aus der Bevölkerung. "Mehr als zehn Flächen sind mir nach der Veröffentlichung meiner Projektidee direkt angeboten worden." Viele spannende Örtlichkeiten seien darunter gewesen – wie zum Beispiel der Nordpark in Bielefeld, der Kurpark und das Aqua-Magica-Gelände in Bad Oeynhausen.

"Heimat in der Ferne"

Ralf Witthaus.
Ralf Witthaus.

Doch entschieden hat sich der Künstler, der in Bielefeld, Hamburg und Köln studiert hat, wo er heute lebt, für einen ehemaligen Bauernhof in Löhne. Der gehört Friedrich Bröer und liegt an der Bültestraße im Stadtteil Gohfeld. Witthaus: "Zwei Dinge haben mich hier sofort überzeugt, der 77-jährige Besitzer, der meinem Projekt sehr offen gegenübersteht, und die Hofanlage selbst." Begeistert haben den Künstler die lange Tradition des Ortes, die bis 1546 zurückreichende Historie als Bauernhof, aber auch die Tatsache, dass die Stallungen und andere Gebäude heute anderweitig genutzt werden. Und noch etwas war entscheidend für den Künstler: Die Fläche im Botanischen Garten von Auckland ist sehr frei, sehr offen.

Lediglich ein Segelschiff aus Ziegelstein, ein paar Vögel aus Ton, eine Bank sowie einige Bäume prägen die Landschaft. "Mit dem Bauernhof in Löhne habe ich nun das Gegenteil gefunden: eine dicht bebaute landwirtschaftliche Nutzfläche, die beispielhaft für diese Region steht und viel Tradition verkörpert." Mit ihr lasse sich seine Idee vom Spiegeln der "Heimat in der Ferne" bestens umsetzen.
Das geschieht nun im September und Oktober.

Information

Der Künstler und seine Projekte

  • "Das Bohrloch nach Neuseeland" wird in Löhne und Auckland geschaffen. Die Löhner Zeichnung wird am 23.9. um 11.30 Uhr der Öffentlichkeit vorgestellt. In Auckland folgt die Präsentation am 18. 10.
  • Das Projekt wird in der Marta-Ausstellung "Nutzflächen – OWL 3. Kunst in Ostwestfalen-Lippe 2013" von Mitte Juni bis zum 13. August 2013 zu sehen sein.
  •  Witthaus, geboren 1973 in Bad Oeynhausen, ist seit mehr als zehn Jahren als Rasenkünstler im In- und Ausland aktiv.
  • Sein größtes Projekt war bisher die "Bundesrasenschau" in Köln. Dort fräste er im vergangenen Jahre eine sieben Kilometer lange Zeichnung in den Inneren Kölner Grüngürtel.
  • Soeben hat Witthaus in Brüssel seine Rasenmäherzeichnung "Wo ist der Hund von Erasmus?" – einen überdimensionalen Knochen zeigend – in Brüssel realisiert.
  • Seine Projekte finanzieren sich über Sponsoren.

Vom 12. bis zur Eröffnung am 23. September wird Witthaus, der in Löhne aufgewachsen und in Bad Oeynhausen geboren worden ist, auf dem Gelände von Landwirt Bröer mähen. Kreisrund wird die Fläche sein. 92 Meter im Durchmesser. Eine Fläche von 8.000 Quadratmetern wird sein Kunstwerk umfassen. Der Clou dabei: Witthaus fräst das Spiegelbild von Aucklands Botanischem Garten nicht etwa auf eine Wiese neben dem Bauernhof, sondern mitten hinein in die Hofstelle, holt so den wohl von Löhne am weitesten entfernten Ort auf dieser Erde an die Bültestraße unweit des einstigen Landesgartenschau-Geländes Aqua Magica heran.

Am 2. Oktober bricht Witthaus dann mit einem zehnköpfigen Mähteam nach Auckland auf Neuseelands Nordinsel auf. Bis zum 18. Oktober mäht er mitten hinein in den Botanischen Garten die Hofstelle von Friedrich Bröer. Wiederum kreisrund, 92 Meter im Durchmesser, und 8.200 Quadratmeter Rasen wird die Fläche umfassen, die er zusammen mit rund 20 Mitarbeitern vor Ort erschaffen wird.

Das fiktive Bohrloch zwischen Löhne und Auckland, das so entsteht, ist Witthaus bisher größtes Rasenkunstobjekt und Teil seines internationalen Rasenkunstprojekts. Witthaus, der zuletzt in Brüssel einen Riesenknochen gezeichnet hat, betont: "Ich will ein weltweites Netzwerk der Rasenkunst schaffen. Neuseeland und Löhne sind ein weiterer Stein in diesem Vorhaben. Anfang des Jahres habe ich gedacht, das klappt nicht. Dass es jetzt losgeht, ist einfach traumhaft."

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