Jazz- und Rockbassist Hellmut Hattler. - © FOTO: STRATMANN
Jazz- und Rockbassist Hellmut Hattler. | © FOTO: STRATMANN

Neuauflage des Jazzduos "Tab Two"

Helmut Hattler im Interview

Bielefeld. Hellmut Hattler und Joo Kraus hatten als Hip-Jazz-Duo "Tab Two" immensen Erfolg, auch international. Pop-Diva Tina Turner zählte zu ihren Fans und ließ sich einen Song von ihnen komponieren. Doch 1999 war plötzlich Schluss. Der E-Bassist ("Kraan") und der Trompeter ("Jazzkantine"), beide aus Ulm, konnten nicht mehr miteinander. 13 Jahre später stehen nun die Veröffentlichung eines Best-of-Dreifach-Albums und eine gemeinsame Tour mit zehn Konzerten an (29. April Osnabrück). Thomas Klingebiel sprach mit Hellmut Hattler (60) über die unverhoffte Wiederannäherung.

Herr Hattler, das Aus für "Tab Two" hörte sich damals sehr endgültig an. Sind die alten Differenzen ausgeräumt?
HELLMUT HATTLER: Ich kann es nicht sagen. Ich war ja nicht derjenige, der es beendet hat. Die Anfrage von Joo Kraus kam für mich absolut plötzlich. Das hat mich direkt rückwärts umgenietet, weil er die Sache damals endgültig abgesagt hatte. Er wolle in Zukunft nur noch richtige Musik machen oder so ähnlich (lacht). Dann haben wir uns getroffen und alles ging zackzack und war total konstruktiv. Die Aufarbeitung, warum damals Schluss war, lag bislang nicht an. Ich freue mich einfach ganz kindlich über den Zustand, wie er ist.

Es wird betont, dass es keine Reunion gibt. Aber wer weiß, wie es nach der Tour aussehen wird?
HATTLER: Das ist Joos Version, und die kann ich nur akzeptieren. Aber ich fänd’s schade. Ich kann mir nicht vorstellen, wenn wieder Montreux anstehen sollte, dass Joo dann sagt: Nein, zehn Konzerte waren verabredet, vorbei, mach’ ich nicht.

Auf der dritten CD der "Best of"-Zusammenstellung "Two Thumbs up" sind nur neue und bisher unveröffentlichte Titel. . .
HATTLER: . . . das finde ich das Spannende, dass es nicht nur darum geht, ein paar Euro klarzumachen. Das wäre mir körperlich peinlich. Da hängt viel Herzblut drin. Das sind die besten der besten Songs aus acht Jahren. Wenn die so nacheinander kommen. . . also, ich war ein bisschen stolz, als ich mir das angehört habe.

Tina Turner hat 1996 Ihren Song "Thief of Hearts" aufgenommen, zu hören auf ihrem Album "Wildest Dreams". Warum ist aus dieser Zusammenarbeit nicht mehr geworden?
HATTLER: Ursprünglich wollte sie unseren Hit "No Flagman ahead" covern. Den fand sie toll. Aber wir haben gesagt: Stopp, sorry, können wir uns gar nicht vorstellen. Das ist ein Acht-Zeilen-Rap und ein Instrumentaltitel, was will sie damit machen? Wir haben ihr dann zwei, drei Titel angeboten, aber nichts mehr von ihr gehört. Gut, hat halt nicht geklappt, dachten wir. Als das Album dann rauskam, bin ich mit Joo in Ulm in den Plattenladen gegangen, und da haben wir festgestellt, dass der Song doch drauf ist und wir als Autoren genannt werden. Das Stück war kaum noch wiederzuerkennen, so war das von Trevor Horn verproduziert worden. Wenn die nicht draufgeschrieben hätten, dass es von uns ist, hätten wir es nicht mal gemerkt (lacht). Aber zu Ihrer Frage: Es war nie Aufgabenstellung von "Tab Two", Auftragskompositionen oder Dienstleistung zu machen. Das war mehr so ein Spaßprojekt.

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