Interview mit dem Detmolder Krimiautor Sven Koch

Über das Böse, Regionalkrimis und guten Kaffee

Das aktuelle Buch ist das zweite mit Alex Stietencron, ein drittes liegt bereits beim Verlag. Wenn man eine fiktive Figur über längere Zeit entwickelt und verfeinert, wird sie im Laufe der Zeit so real, dass sie sich ein Stück weit verselbstständigt?
KOCH: Das passiert sehr schnell, wenn eine Figur gut funktioniert. Meine Kriminalpsychologin und Ermittlerin Alex würde bestimmte Dinge einfach nicht tun und mir sagen: Vergiss es, ich werde nicht freiwillig in der Polizeikantine essen, dazu musst du mich schon zwingen. Tja. Dann muss man sich etwas ausdenken, um sie zu überreden – oder sich etwas anderes einfallen lassen.

Alex hat Ecken und Kanten, ist aber grundsympathisch. Wäre für Sie eine Hauptfigur denkbar, die dunklere Seiten hat, die weniger zur Identifikation einladen?
KOCH: Unbedingt. Ich bin ein Fan der Serie "Dexter", die einen Serienmörder als sympathische Hauptfigur hat. Es ist interessant, wie das dramaturgisch gemacht ist. Hitchcock hat das in "Psycho" ebenfalls vorgeführt: Mörder Norman Bates packt ein Opfer in den Kofferraum und versenkt das Auto, doch es geht nicht unter, und der Zuschauer zittert um Norman. Eine gewisse "sympathy for the devil" können Menschen wohl nicht negieren.

In der Wirklichkeit sind Serienmörder glücklicherweise relativ selten. Warum sind sie in der Literatur so populär, und was reizt Sie persönlich daran?
KOCH: Ich denke, es ist einerseits das plakative Böse, das das Motiv populär macht. Weiter hat es mit Suspense zu tun. Man weiß als Leser: Dieser Mörder wird verlässlich wenigstens noch einmal zuschlagen, wenn der Ermittler es nicht verhindert, und er hat das nächste Opfer schon im Visier. Ein Damoklesschwert schwebt über der Geschichte, und das sorgt für Thrill.

Sie schreiben sehr filmisch und bildhaft. Zufall?
KOCH: Ich wollte früher auf die Filmhochschule, habe Drehbücher geschrieben, Kurzfilme gemacht und fotografiere gerne. Vielleicht schreibe ich deswegen recht visuell, falls man das so sagen kann.

Wie ist es Ihnen gelungen, Ihre Bücher bei einem Großverlag wie Knaur unterzubringen?
KOCH: Ich konnte eine Literaturagentur für mein Manuskript "Purpurdrache" gewinnen. Die Agentur hatte verschiedene große Publikumsverlage dafür interessiert und es dann versteigert. Knaur gab das beste Angebot ab. Ich bin fast umgefallen, als ich hörte, wer noch alles mitgeboten hatte.

Der Genuss guten Kaffees ist wichtig in Ihren Romanen. Eine private Obsession?  
KOCH: Es geht nichts über einen guten Kaffee. Leider bekommt man selten einen.

Welche Frage wollten Sie schon immer mal beantworten, die Ihnen leider noch nie jemand gestellt hat?
KOCH: Ich wurde noch nicht gefragt, ob ich ein sechsmonatiges Autoren-Stipendium auf Grand Bahama annehmen möchte. Ich würde antworten: Vielleicht.

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