Detmolder Regisseur Stefan Westerwelle zeigt seinen Film "Detlef" auf der Berlinale

Ein Kämpfer zieht Bilanz

VON ANKE GROENEWOLD
Stefan Westerwelle.
Stefan Westerwelle.

Bielefeld/Detmold. Der Bielefelder Detlef Stoffel wird 60 und rechnet ab: Hat sich der Kampf für die Rechte von Schwulen gelohnt? Ein Kampf, an den sich heute niemand mehr zu erinnern scheint? Die wilden Jahre sind vorbei. Braucht ihn die bunte, junge, schwule Welt heute eigentlich noch?

Den ehemaligen Politaktivisten stellt der Detmolder Regisseur Stefan Westerwelle in seinem 90-minütigen Dokumentarfilm vor, den er mit dem Fotografen und Kameramann Jan Rothstein realisiert hat. "Detlef. 60 Jahre schwul" hat am 14. Februar auf der Berlinale Premiere.
Der 31-jährige Regisseur, der seit 14 Jahren mit Stoffel befreundet ist, will mit seinem Porträt "einen wichtigen Baustein deutscher Geschichte" wieder ins Bewusstsein holen, sagt Westerwelle. Denn die Jüngeren hätten oft keine Ahnung mehr, dass Gleichberechtigung und gesellschaftliche Anerkennung von Schwulen erst durch mutige Männer erkämpft werden mussten. Männer wie Detlef Stoffel.

"Detlef war ,leader of the pack’" – also ein Anführer, sagt Lilo Wanders im Film. Der Travestiekünstler gehört neben Gustav-Peter Wöhler und Corny Littmann zu den Prominenten, die Westerwelle als Zeitzeugen vor die Kamera geholt hat.

1950 geboren, studierte Stoffel Soziologie in seiner Geburtsstadt Bielefeld. 1972 gründete er die "Initiativgruppe Homosexualität Bielefeld". 1983 drehte er mit Peter Recht und Christiane Schmerl den 50-minütigen Dokumentarfilm "Rosa Winkel – Das ist doch schon lange vorbei", der bis heute öffentlich gezeigt und diskutiert wird.

1977 öffnet er als selbstverwaltetes Projekt mit "Löwenzahn" den ersten Bioladen im Raum Bielefeld. Es gab mehrere Ableger. 1984 kam ein regionaler Großhandel für Naturkost und Naturwaren in OWL dazu. Seit 2001 ist Stoffel selbstständiger Berater und Projektmanager. Er lebt in Bielefeld.

In "Detlef. 60 Jahre schwul" blickt er zurück auf bewegte Zeiten und zieht Bilanz. Stoffels Fazit: "Der Filmttitel bringt es auf den Punkt. Seit 60 Jahren leben wir in begrenzenden Kategorien. Aber nichts hat sich verändert."

Nicht zuletzt geht es in der Dokumentation auch um Homosexualität im Alter. "Mit 60 ist man alt, als Schwuler allemal, aber ganz sicher", sagt Stoffel.

Bereits in seinem ersten Langfilm "So lange du hier bist" (2007) hatte sich Westerwelle, Absolvent der Kölner Kunsthochschule für Medien, mit Alter und Vergänglichkeit auseinandergesetzt. Der Film, der die Geschichte eines einsamen, alternden Mannes und seine Liebe zu einem jungen Stricher erzählt, wurde mit mehreren internationalen Preisen und einer Goldenen Lola ausgezeichnet.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group