Die wertvollste Denkmalorgel Westfalens jubiliert wieder

Jörg Kraemer bewältigte die Rettung der Königin der Instrumente

VON CHRISTINE LONGÈRE
Jörg Kraemer zeigt auf die restaurierte Borgentreicher Barockorgel, die aus dem 17. Jahrhundert stammt. - © FOTO: CHRISTINE LONGÈRE
Jörg Kraemer zeigt auf die restaurierte Borgentreicher Barockorgel, die aus dem 17. Jahrhundert stammt. | © FOTO: CHRISTINE LONGÈRE
Wertvolle

Denkmalorgel

jubiliert wieder - © KULTUR
Wertvolle
Denkmalorgel
jubiliert wieder | © KULTUR

Borgentreich. So festlich und schön wie in der Christmette am heutigen Heiligabend haben die weihnachtlichen Melodien in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Borgentreich schon lange nicht mehr geklungen. Sechs Jahre lang schwiegen die 3.019 Pfeifen der größten Barockorgel Westfalens. Jetzt kann Dekanatskantor Jörg Kraemer beglückt die Register ziehen. Die Restaurierung, für die er sich 18 Jahre lang eingesetzt hat, ist zu seiner höchsten Zufriedenheit gelungen, und die Borgentreicher Königin jubiliert klangvoller denn je zuvor.

Als Jörg Kraemer, von Haus aus Saarländer, 1993 die Tätigkeit in Borgentreich aufnahm, hatte er – nach dem Studium der Kirchenmusik und Musikerziehung in Saarbrücken – bereits als Dekanatskantor in Büren Erfahrung bei der Betreuung einer Orgelsanierung an der dortigen Nikolauskirche gesammelt. Was ihn in Borgentreich erwartete, war eine Aufgabe von ganz anderen Dimensionen. Von Beginn seiner Dienstzeit an war ihm klar, dass er es an seiner neuen Arbeitsstelle mit einer Berühmtheit zu tun hatte, die sich jedoch in einem äußerst desolaten Zustand befand, und dass ihre Rettung über einen beträchtlichen Zeitraum beruflicher Schwerpunkt sein würde.

"Bei kalter und feuchter Witterung war die Orgel kaum noch zu spielen", erinnert sich Kraemer. Dabei beschrieb sie schon 1950 der Orgelexperte Christhard Mahrenholz als "ein Kunstwerk ersten Ranges" und "absolutes Unicum". Im Vorfeld der Restaurierung nannte sie der langjährige Orgelexperte des Westfälischen Denkmalamtes Winfried Schlepphorst die wertvollste Denkmalorgel Westfalens, in einem Gutachten bezeichnete er sie 2005 als "Instrument wahrhaft europäischen Ranges". Inzwischen gilt sie als Nationaldenkmal.

Unter den wenigen erhaltenen Orgeln mit doppelten Springladen ist das ursprünglich aus Kloster Dalheim stammende Instrument, dessen ältester Bestand ins 17. Jahrhundert datiert und der westfälischen Orgelbauerdynastie Bader zugeschrieben wird, das größte weltweit. Außer dem faszinierenden technischen Herzstück gehört zum "wertvollen Kern", wie Kraemer erläutert, "ein unglaublich großer Pfeifenbestand aus dem 17. und 18. Jahrhundert".

Der Ankauf der Orgel im Jahr 1803, mit dem die Stadt Borgentreich ein gewichtiges klösterliches Erbe rettete, markiert den Beginn einer engen Verbundenheit der Kommune mit dem kostbaren Instrument in der Pfarrkirche. Sie führte dazu, dass 1980 im ehemaligen Rathaus der Stadt gegenüber der Kirche das erste Orgelmuseum in Deutschland eröffnet wurde. Hier erhält der Besucher eine allgemeinverständliche Einführung in Funktionsweise, Herstellung und Geschichte der Orgel.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group