Jürgen Brautmeier beim Redaktionsbesuch der Neuen Westfälischen. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Jürgen Brautmeier beim Redaktionsbesuch der Neuen Westfälischen. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

NRWs Medienaufseher kritisiert Quotenfixierung der öffentlich-rechtlichen Sender

Gebürtiger Delbrücker Brautmeier zum Redaktionsbesuch bei der Neuen Westfälischen

Bielefeld (ram). Einen werbefreien öffentlich-rechtlichen Rundfunk kann sich Jürgen Brautmeier "sehr gut vorstellen". In der englischen BBC, die werbefrei sendet, sieht der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein Westfalen (LfM) "durchaus ein Vorbild".

Kritik übt der 56-Jährige auch an der Quotenfixierung und der zunehmenden Verflachung des Programms. "Es ist eine fatale Entwicklung, dass die öffentlich-rechtlichen Sender immer stärker auf die Quoten schauen statt auf Qualität zu setzen." Gute Sendungen, die wenig Quote brächten schnell ins Spätabend- oder gar Nachtprogramm abzuschieben, sei ebenfalls nicht richtig, betonte Brautmeier bei einem Redaktionsbesuch der Neuen Westfälischen. Denn nur, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender ihrem Auftrag wieder gerecht würden, dann sei eine Gebührenfinanzierung überhaupt zu rechtfertigen.

Ein Umdenken sei bei den Anstalten gefordert und eine politische Debatte über den eigentlichen Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender, die Grundversorgung sicher zustellen, zu informieren, zu bilden und zu unterhalten, dringend notwendig. "Ich bin gerne bereit, in die Debatte einzusteigen", betont der gebürtige Delbrücker, der seit Oktober des vergangenen Jahres der LfM mit Sitz in Düsseldorf vorsteht.

Chancengleichheit bei Internetauftritten fehlt

Wichtig sei es, laut Brautmeier, dessen Einrichtung die Aufsicht über privaten Rundfunk im Lande NRW ausübt, auch, dass duale System aus öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk in der Balance zu halten.

Ein Ungleichgewicht sehe er derzeit darin, dass die öffentlich-rechtlichen Sender, abgesichert über die Gebühren, mit ihren Internetauftritten den Verlagen Konkurrenz machten. "Ihre sicher sehr gut gemachten, umfassenden Angebote kommen wie das der Zeitungsverlage daher, aber ohne dass sie das wirtschaftliche Risiko tragen müssen", so Brautmeier. Hier müsse wieder Chancengleichheit hergestellt werden. Auch dabei verweist der LfM-Direktor erneut auf die BBC, die allen Zeitungen des Landes angeboten habe, ihr Internetangebot kostenlos mit zu nutzen, und zum Beispiel die Filme der BBC zu nutzen, um Nachrichten auch mit Bewegtbildern vermarkten zu können.

Vorantreiben will der LfM-Direktor die Digitalisierung im Lande. Der ländliche Raum sei immer noch nicht flächendeckend mit dem schnellen Internet versorgt. Die Zukunft sieht Brautmeier vor allem im mobilen Internet, "das in ein bis zwei Jahren das stationäre Internet überholt haben wird". Auf dem Vormarsch ist unterdessen auch das Internet-Radio. Zwischen 2.000 und 3.000 Webradios gibt es derzeit in Deutschland. Laut Brautmeier nutzten 18 Prozent der 14- bis 29-Jährigen einmal in der Woche Webradio-Angebote – Tendenz steigend. Die Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe, an denen auch die Neue Westfälische beteiligt ist, verzeichnen 3.000 Nutzer täglich.

Wächter über das Internet

Einer möglichen Förderung von Regional- und Lokal-Fernsehsendern durch öffentliche Mittel, erteilte Brautmeier eine Absage. "Die müssen sich am Markt behaupte", betonte er. Sieben regionale TV-Stationen gibt es bisher im Land.

Eine zentrale Aufgabe des LfM ist auch der Jugendschutz. Wacht die Einrichtung, die 50 Mitarbeiter hat, doch auch über das Internet in NRW. Im vergangenen Jahr wurden 170 Fällen nachgegangen und Bußgelder in Höhe von 67.000 Euro fällig. Auch Verstößen gegen Werberichtlinien verfolgt die LfM. 900 Beschwerden gab es im Jahr 2010. Die Tendenz sei hier aber eher rückläufig.

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