"Ich führe Zwiegespräche"

INTERVIEW: Ralf Witthaus über seine Rasenkunst und die Bundesrasenschau, die er heute in Köln startet

Ralf Witthaus mäht Rasen – wie immer im schwarzen Anzug. - © FOTO: WILLEM DE LANGE
Ralf Witthaus mäht Rasen – wie immer im schwarzen Anzug. | © FOTO: WILLEM DE LANGE

Köln. Ralf Witthaus hat sich Großes vorgenommen. Heute beginnt der Künstler damit, den Inneren Grüngürtel von Köln mit einer zwölf Kilometer langen Rasenzeichnung zu versehen. Am 1. Oktober will er mit seinem Helfern mit der Bundesrasenschau – so der Titel der Kunstaktion – fertig sein. Stefan Brams sprach mit dem in Bad Oeynhausen geborenen Künstler über das Projekt, die Vergänglichkeit seiner Rasenkunst und warum er nicht im Central Park in New York mähen will.

Herr Witthaus, Rasen wegfräsen kann jeder. Was ist denn daran Kunst?
RALF WITTHAUS: Das fängt ja gleich mit einer guten Frage an. Bevor ich zu mähen beginne, suche ich das Zwiegespräch mit den Orten, an denen ich mähen will. Das heißt, ich schaue sie mir sehr genau an und überlege, was geht von dieser Fläche für eine Botschaft aus, wie gehen die Menschen mit ihr um, wie sieht die Fläche heute aus und welche Geschichte hat sie. Die Zeichnung, die ich dann in den Rasen hinein mähe, ist eine Antwort auf dieses Zwiegespräch. Das macht wiederum den Unterschied zum drauflos mähen und fräsen aus. Das ist der künstlerische Moment.

Information

   Der Künstler und sein Projekt

    
   ¥"Bundesrasenschau" hat der 36-jährige Ralf Witthaus, der in Bielefeld, Hamburg, Berlin und Düsseldorf Kunst und Gestaltung studiert hat, sein Vorhaben betitelt. Witthaus nimmt mit dem Titel Bezug auf Kölns Bewerbung für die Bundesgartenschau im Jahr 2023, es wäre die dritte, die dort über die Bühne geht.
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 Ausgangs- und Endpunkt für das Projekt, das 89.500 Euro kostet und vom Künstler und Sponsoren finanziert wird, ist der Rheinpark, in dem 1957 die erste Bundesgartenschau in Köln ausgerichtet wurde. Der Weg führt auch über den Rhein hinweg und entlang der für 2023 im Bereich Großmarkthalle geplanten Bundesgartenschau.
´Um das Großprojekt bewältigen zu können, setzt Witthaus, der in Bad Oeynhausen geboren wurde und in Löhne aufwuchs, auf künstlerische Assistenten und Freiwillige.

´Einen Überblick über Ralf Witthaus’ bisherige Rasenzeichnungen gibt’s in dem Band "Rasenmäherzeichnungen" herausgegeben vom Kunstverein Leipzig. Salon Verlag, 94 S., 10 ð. Zur Kölner Aktion ist ein Katalog geplant.
´ Weitere Informationen über die Bundesrasenschau, die heute beginnt, gibt’s im Internet unter www.bundesrasenschau.de(ram)
     

Woher stammt die Idee für Ihre Rasenzeichnungen?
WITTHAUS: Vor etwas 13 Jahren habe ich in Werl zwischen einem Wohn- und einem Gewerbegebiet einen riesigen Lärmschutzwall in Form einer schwangeren Liegenden gestaltet. Damals stand ich vor dem Problem, diese riesige Landmasse zu bewältigen. Bei einem Landart-Festival in Tschechien lag dann eine Motor-Sense rum. Mit der habe ich getestet, ob ich freihand eine exakte Form auf 120.000 Quadratmetern zeichnen könnte. Das klappte. Dann hab ich mich an die Liegende gewagt. Das war so etwas wie die Initialzündung für meine Rasenzeichnungen, die ich immer weiter vertieft habe. Das konnte ich dann einfach nicht mehr stoppen, weil da so ungeheuer viel Potential drin steckt.

Wie viele Zeichnungen gibt es bereits von Ihnen?
WITTHAUS: Mehr als 30 quer durch Deutschland.

Wie reagieren die Menschen auf diese Intervention?
WITTHAUS: Mein Zielpublikum ist der zufällige Passant, der meist staunend auf die für ihn befremdlichen, behelmten Wesen in schwarzen Hosen und weißen Hemden blickt, die mit professionellen Mähgeräten einen Rasen mähen. Und dann beginnen auch schon die Fragen, was denn hier los sei, warum sie davon bisher nichts gewusst hätten. Und genau das ist mein Ziel, ich möchte die zufälligen Flaneure in meine Aktion involvieren und Fragen aufwerfen, Reaktionen hervorrufen. Eigentlich formulieren Sie ihr Anrecht auf die Grünflächen!

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