Der Autor Rolf Schönlau. - © FOTO: GROENEWOLD
Der Autor Rolf Schönlau. | © FOTO: GROENEWOLD

Auf einmal von ungefähr mit links

"Nölting oder die Erfindungsfolter": Rolf Schönlau schrieb eine Novelle über einen fiktiven Detmolder Beamten im 19. Jahrhundert

VON ANKE GROENEWOLD

Detmold. Heinrich-August Nölting ist kein Mann, der aus dem Bauch heraus handelt. Nölting ist Beamter. Doch als der Detmolder 1886 die Erfindung des Automobils registriert, zieht der Mann die Bremse. Das Zeitalter der Erfindungen sei zu Ende, befindet der 61-jährige Witwer und verlässt mitten am Tag seinen Arbeitsplatz, um das zu tun, was seiner Meinung nach noch übrig bleibt: eine Theorie des Erfindens zu erfinden.

Heinrich-August Nölting springt aus der Spur. Er will Neuland betreten und wagt mit großem Schwung das Unmögliche – und verirrt sich. Er wird zum Eigenbrötler und Sonderling, baut eine abstruse Maschine, opfert den Quellnymphen und entdeckt, dass Erfindungen "auf einmal von ungefähr mit links" kommen. Dieser tragikomische Findekünstler und sein grandioses Scheitern stehen im Mittelpunkt der fein ironischen, 65-seitigen Novelle "Nölting oder Die Erfindungsfolter" von Rolf Schönlau.

Heinrich-August Nölting und seinen bizarren Plan hat es nie gegeben. Aber das Detmold des späten 19. Jahrhunderts, die Schauplätze und die Details, hat der 1950 in Paderborn geborene Autor genau recherchiert. Beim Schreiben ließ er sich unter anderem von Fotografien inspirieren. Beim Rundgang durch die Detmolder Innenstadt zeigt er die Schauplätze, wo seine Novelle spielt: die Kanzlei an der Woldemarstraße, wo heute das leere Hertie-Kaufhaus steht. Nöltings Wohnhaus in der Meierstraße Nummer 5, der Donop-Brunnen auf dem Marktplatz.

Die Idee war geboren

Er habe die Geschichte lange mit sich herumgetragen, erzählt der seit 1993 im lippischen Schlangen lebende Schönlau. Die Grundidee der Novelle – die Unmöglichkeit einer Theorie über Erfindungen – sei vom Studium der Literaturwissenschaft und Psychologie in München hängengeblieben. Als er in einer Zeitschrift eine Anekdote über einen Mann fand, der aus anderen Gründen überhastet sein Büro geschlossen hatte, kam beides zusammen. Die Idee für die Novelle war geboren.

Sie hätte sich durchaus zu einem großen historischen Roman formen lassen, aber Schönlau zieht die kurze und strenge Form vor. Und die Novelle passe gut zum Thema. Detailliertes Ausschmücken und ausschweifendes Fabulieren liege ihm nicht, sagt der Autor, der für das Weserrenaissance-Museum in Brake arbeitet. "Das hätte ich als Aufblasen empfunden." Schönlau feilt lange an der Sprache, will mit wenigen Strichen zeichnen. Schließlich soll der Leser auch seine Fantasie spielen lassen.

Die ersten 15 Seiten der Novelle brachten Schönlau im Jahr 2000 den Literaturpreis der Stadt Georgsmarienhütte ein. 2004 wurde er mit weiteren Auszügen zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen.

Schönlau, der auch zwei Kinderbücher verfasst hat, schreibt weiter. Sein Theaterstück "Hermanns Nase" zum Varusjahr wurde Anfang des Jahres am Theater Osnabrück szenisch gelesen. Momentan arbeitet er an einer längeren Erzählung über 40 Jahre BRD.

  • Rolf Schönlau: Nölting oder Die Erfindungsfolter, 65 S., gebunden, Axel-Dielmann-Verlag Frankfurt, 17 ð.
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