CD-Release-Konzert: Das Eldering Ensemble mit Sandra Urba (v. l.), Jeanette Gier und Simon Monger, Konzertmeister der Bielefelder Philharmoniker. - © Ira Weinrauch
CD-Release-Konzert: Das Eldering Ensemble mit Sandra Urba (v. l.), Jeanette Gier und Simon Monger, Konzertmeister der Bielefelder Philharmoniker. | © Ira Weinrauch

Kultur Auf Klangreise mit Louis Spohr

Weltpremiere und Gesprächskonzert: Simon Monger, Konzertmeister der Bielefelder Philharmoniker, stellt mit dem Eldering Ensemble Spohrs lange verschollene „Reisesonate“ vor

Thomas Klingebiel

Uta Pape, Violinistin der Bielefelder Philharmoniker, förderte in intensiver Forschungsarbeit eine lange verschollene Sonate von Louis Spohr zutage. Simon Monger, Konzertmeister der Philharmoniker, hat gerade mit dem Eldering Ensemble die Welt-Ersteinspielung des Stücks veröffentlicht. In einem CD-Release-Konzert stellen nun Urtext-Herausgeberin und Ensemble das Ergebnis ihrer engen Zusammenarbeit unter dem Titel „Reiselust“ am Montag, 28. Mai, 20 Uhr, im Kleinen Saal der Oetkerhalle dem Bielefelder Publikum vor. Louis Spohrs Duetto für Pianoforte und Violine op. 96 war der „Nachklang einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz“, so der Untertitel des Werks. Auch die Wiedergeburt des Stücks, das seit dem Erstdruck 1837 nicht mehr neu veröffentlicht und in Vergessenheit geraten war, wurde zu einer langen Reise. „Ich bin neugierig geworden, als ich 2013 in Spohrs Werkverzeichnis auf die ,Reisesonate’ stieß, von der ich noch nie gehört hatte und die auch nirgendwo zu bekommen war“, sagt Uta Pape. Nach längerer Suche stieß sie auf den Erstdruck in Leipzig und Spohrs Autograph in Kassel und setzte sich eingehend mit beiden Fassungen auseinander. Takt für Takt wertete und gewichtete sie die Unterschiede. Papes Neuausgabe erschien 2016 im Verlag Dohr. Simon Monger war schon damals in das Projekt einbezogen. Der Violinist und gebürtige Australier, seit 2009 Konzertmeister der Philharmoniker, übersetzte das Vorwort der Urtext-Ausgabe ins Englische. Als Mitglied des nach dem niederländischen Geiger Bram Eldering benannten Eldering Ensembles begeisterte Monger auch seine Mitmusikerinnen Sandra Urba (Klavier) und Jeanette Gier (Violoncello) für die Spohr-Wiederentdeckung. Nach einigen Konzerten mit der „Reisesonate“ 2016 reifte die Idee einer CD-Einspielung. „Im August vergangenen Jahres haben wir sie im Kammermusiksaal des Leipziger Gewandhauses eingespielt“, sagt Monger. Die CD ist beim Leipziger Label Genuin erschienen. Die Umstände seien perfekt gewesen, sagt Monger. Über den warmen Klang des Mendelssohn-Saals und den Steinway-Flügel dort gerät er geradezu ins Schwärmen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Toningenieur sei traumhaft gewesen. „Die Musik braucht die große Linie, die Bögen. Deshalb haben wir das meiste an einem Stück aufgenommen. Natürlichkeit war uns auch wichtig. Der Hörer der CD soll sich wie ins Konzert versetzt fühlen“, so Monger. Als Welt-Ersteinspielung der Neuausgabe der „Reisesonate“ ragt die Aufnahme von vornherein aus der Fülle der CD-Neuerscheinungen heraus. Spohrs viersätziges Werk entpuppt sich als kammermusikalisches Juwel, das mit seinen in Musik übersetzen Reiseeindrücken – vom Hufgetrappel bis zu Hornsignalen preußischer und sächsischer Postillone – unmittelbar anspricht, ohne in reiner Programmmusik zu verharren. Im Adagio-Satz verarbeitet Spohr faszinierend Höreindrücke aus der Dresdner Hofkirche, unter anderem mit einer bewegenden „Gesangsszene“, die Monger klangvoll interpretiert. Im Bielefelder Gesprächskonzert, bei dem Uta Pape eine Einführung geben wird, gibt es zusätzlich zur „Reisesonate“ Mendelssohns Klaviertrio Nr. 2 c-Moll zu hören – der Komponist hat es Spohr gewidmet. Auf der CD rahmen Mendelssohns Trio und Beethovens berühmtes „Geistertrio“ die „Reisesonate“. „Je mehr man sich mit dem Werk beschäftigt“, sagt Monger, „desto mehr Bezüge entdeckt man.“ Beethoven war in Wien oft Gast von Spohr und dessen zweiter, Klavier spielenden Ehefrau Marianne. Spohr wiederum wurde 1811 in Beethovens Wohnung Ohrenzeuge einer denkwürdigen Probe des Geistertrios mit dem fast tauben Beethoven am Klavier. „Ein Genuss war’s nicht“, hielt Spohr damals trocken fest. Eldering Ensemble: "Reiselust", CD, Werke von Beethoven, Spohr und Mendelssohn, Genuin. Konzertabend: Das Eldering Ensemble spielt Spohr und Mendelssohn am Montag, 28. Mai, 20 Uhr, im Kleinen Saal der Oetkerhalle. Karten unter Tel. (0521) 96 23 94 35, und auf www.eldering-ensemble.de

realisiert durch evolver group