Spielte gern mit: Nils Landgren mit den Frage-Stichworten zum Buchstaben „M“. Magnum Coltrane Price (MCP) ist Bassist, Songwriter und Produzent in Landgrens Band „Funk Unit“. Foto: Oliver Krato - © Oliver Krato
Spielte gern mit: Nils Landgren mit den Frage-Stichworten zum Buchstaben „M“. Magnum Coltrane Price (MCP) ist Bassist, Songwriter und Produzent in Landgrens Band „Funk Unit“. Foto: Oliver Krato | © Oliver Krato

Kultur Jazzstar Nils Landgren von A bis Z

Im Bad Oeynhausener Verlag „jazzprezzo“ ist ein aufschlussreicher biografischer Band über den schwedischen Posaunisten erschienen

Thomas Klingebiel

Einer, den jeder kennt, der scheinbar alles kann und den alle mögen. Wie kriegt der das nur hin? Diese Frage haben sich Dietmar Klumm und Jan Bäumer immer wieder gestellt, als sie für 3sat ein einstündiges Filmporträt über den Posaunisten Nils Landgren drehten, einen der bekanntesten Jazzmusiker Europas. An ihre Zeit mit dem schwedischen Musiker erinnern sich die beiden Autoren in dem von Rainer Placke herausgegebenen Buch „Das Landgren Alphabet“, dem ihr Film als DVD beiliegt. Der gerade im Bad Oeynhausener Verlag „jazzprezzo“ erschienene Band lässt seine Leser nah an den Menschen und Musiker Nils Landgren herankommen. „Ich hatte immer das Gefühl, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist“, sagt Rainer Placke. Mit einem Buch über Nils Landgren begann 2005 die Geschichte seines Jazzbuch-Verlags. „Red & Cool“ hieß die Bild-Biografie, eine Anspielung auf die rote Posaune, das Markenzeichen Landgrens. Seitdem hat Placke in seinem Kleinverlag unter anderem opulente Bildbände zum Schaffen der Bluenote-Fotografen Francis Wolff und Jimmy Katz herausgebracht. Sie sind längst vergriffen, so wie „The Cat with the Hat“, Plackes Buch über den US-Saxophonisten Joe Lovano. Es wurde 2008 von der Stiftung Buchkunst als eines der schönsten deutschen Bücher des Jahres prämiert. Die Antworten improvisiert wie im Jazz Mit „Das Landgren Alphabet“ schließt sich nun für Placke ein Kreis, 13 Jahre nach seinem Debüt als Verleger. In „Red & Cool“ kamen seinerzeit vor allem Freunde und Wegbegleiter Nils Landgrens zu Wort. Auf den Blick von außen folgt nun die Innensicht. Der international gefragte Jazzer, der an 250 Tagen im Jahr auf Tour ist, gibt in dem Band einiges von sich preis: was ihn privat und musikalisch geprägt hat und antreibt, was ihm im Leben wichtig ist. Rainer Placke, Jazzfan und hauptberuflich Sportredakteur dieser Zeitung in Minden-Lübbecke, fand offenbar das richtige Rezept, dem 62-Jährigen Bekenntnisse zu entlocken. Statt ihm Fragen zu stellen, gab er ihm Karten mit jeweils vier Begriffen, zu denen er sich äußern konnte: von A wie Abba bis Z wie Zuhause. Landgrens Spieltrieb war geweckt, mit den Begriffen konnte er improvisieren, wie er es als Musiker gewohnt ist. „Meine größte Befürchtung war, ihn zu langweilen. Das ist das Schlimmste für Nils. Aber die Sorge war unbegründet“, sagt Placke. In den alphabetisch geordneten Antworten ist zu erfahren, dass Landgren seit seiner Kindheit Asthmatiker ist, aber auch als Blasmusiker gut damit leben kann. „Das Spielen der Posaune hilft mir übrigens sehr, weil es die Atemwege frei macht“, sagt er. Seine Frau Beatrice, Buchstabe B, und er seien „unzertrennlich“, erzählt er, „auch wenn wir oft getrennt voneinander leben und arbeiten.“ Landgren schwärmt für Barockmusik („trifft mein Herz“), aber Schwedens Pop-Export Abba war für ihn als junger Jazzmusiker „ein Schimpfwort“. Das änderte sich, nachdem er die Band kennenlernte und als Studiomusiker bei ihrem Hit „Voulez-vous“ mitspielte. H wie Helden: „Alle, die mit Kranken arbeiten, haben meine Hochachtung.“ G wie Groove: „Ohne Groove kann man nicht leben. Groove kann alles Mögliche sein. Ein ganz stabiler Rhythmus oder so ein Gespräch, wie wir es gerade führen.“ Bei U wie USA merkt der politisch eigentlich betont zurückhaltende Landgren an, dass es für ihn seit Trump schwieriger geworden sei, „sich mit dem Land unvoreingenommen auseinanderzusetzen“. Hat Placke selbst etwas erfahren, was er über Landgren noch nicht wusste? „Mir war zum Beispiel neu, dass Quincy Jones für ihn so wichtig ist und er ihn persönlich kennt“, sagt der Verleger. Das mehrstündige Treffen in Plackes Haus in Bad Oeynhausen wurde von Fotograf Oliver Krato begleitet. Dass der das immer gleiche Motiv so lebendig und abwechslungsreich einfing, spricht ebenso für Kratos Kreativität wie für Landgrens Darstellertalent. Ingo Wulff hat für den Band ein ansprechend klares grafisches Konzept entwickelt – diesmal nicht mit Rot, sondern (Schweden-)Blau als Buchrücken-Farbe. Fortsetzung folgt: Band zwei der Alphabet-Reihe will Placke dem Jazzpianisten Michael Wollny widmen. Rainer Placke (Hg.): „Das Landgren Alphabet“, jazzprezzo, 136 Seiten plus DVD, 25 Euro Zur Person Nils Landgren studierte klassische Posaune, wechselte nach dem Studium aber zum Jazz.Seine Profi-Karriere startete er 1981 als Lead-Posaunist in der Big Band von Thad Jones. Danach arbeitete er mit Jazzgrößen wie The Crusaders, Eddie Harris und Herbie Hancock zusammen.Bekannt ist Landgren, der wegen seiner roten Posaune „Mr. Red Horn“ genannt wird, vor allem für seine sehr erfolgreiche Band „Funk Unit“. (nw)

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