Da lachen sie noch: Das Ensemble des Kleinen Theaters agierte spielfreudig und überzeugend. Foto: Christina Falke - © Christina Falke
Da lachen sie noch: Das Ensemble des Kleinen Theaters agierte spielfreudig und überzeugend. Foto: Christina Falke | © Christina Falke

Kultur Das Kleine Theater glänzt mit Agatha Christie

Immer wieder samstags: Bei „Und dann gab’s keines mehr“ entscheidet das Publikum, welches Ende das Laien-Ensemble spielt

Christina Falke

Bielefeld. „Und dann gab’s keines mehr“ – denn sie haben alle etwas auf dem Kerbholz und müssen nun nacheinander sterben. Agatha Christies Kriminalgeschichte von 1939 über Selbstjustiz bringt derzeit das Kleine Theater Bielefeld auf die Bühne im Tanztheater „DansArt“ – an jedem Samstag noch bis einschließlich 14. Juli zu sehen. Ende April feierte das Stück vor ausverkauftem Haus mit 150 Besuchern Premiere. Seitdem kommen regelmäßig mehr als einhundert Zuschauer in das kleine Theater an der Welle und tauchen drei Stunden lang ein in die Welt von Agatha Christie. Die Laienschauspielgruppe des Kleinen Theaters Bielefeld hat sich nach ihren vergangenen Erfolgen wie „Frau Müller muss weg“ und „Die Mausefalle“ erneut ein Buch aus der Feder Agatha Christies für ihr Bühnenprogramm gewählt. „Und dann gab’s keinen mehr“ ist das 26. Buch der Krimi-Autorin und auch ihr erfolgreichstes. Nacheinander sterben darin zehn Menschen, die in ihrem Leben in ungeklärte Todesfälle verwickelt waren. Nach dem ersten Todesfall denkt keiner an Mord Der Mörder verliert keine Zeit: Nachdem Vera Elizabeth Claythorne (Zeljka Tadic), Philip Lombard (Philipp Rommelmann), Antony James Marston (Lukas Marquardt), William Henry Blore (Jens Blome), General John Gordon Mackenzie (Rolf Winkelhage), Emily Caroline Brent (Anne Maibaum), Richter Sir Lawrence John Wargrave (Dirk Nomrowski) und Dr. Edward George Armstrong (Hans-Jürgen Noske) sowie Butler Mr. Thomas Rogers (Hermann Konnemann) und Köchin Mrs. Ethel Rogers (Annette Linnemann) in der Villa auf der „Negerinsel“ eingetroffen sind, beginnt auch schon eine Mordserie. Alle Inselbesucher waren der Einladung des Paares Owen gefolgt, das nun offiziell noch in London verhindert ist. Nach einem Todesfall am ersten Abend denkt bei ausgelassener Stimmung hier noch keiner von ihnen an eine Mordserie. Das Publikum bestimmt, wie es ausgeht Als jedoch am nächsten Morgen Mrs. Rogers tot in ihrem Bett aufgefunden wird, kommt langsam der Verdacht auf, hier in einen Komplott geraten zu sein – wurde doch am Abend ihrer Anreise eine Schallplatte abgespielt, auf der eine Stimme jeden einzelnen Gast als Mörder betitelt hat. Zudem sind zwei Figuren mit dunkler Hautfarbe auf dem Kaminsims verschwunden, und die im Bildrahmen stehenden Textzeilen des Zählreims „Zehn kleine Negerlein“ stehen im Kontext zu den Tathergängen. Als der dritte Tote unter ihnen ist, ist allen klar: „Der Mörder ist einer von uns!“ Das Ensemble des Kleinen Theaters Bielefeld überlässt in seiner Aufführung an jedem Abend dem Publikum den Ausgang der Geschichte. In der Pause werden die Besucher daher gebeten, ihre Eintrittskarten in kleine Behälter vor dem Saal-Eingang zu legen und so für ein „Dramatisches Ende“ oder ein „Happy End“ zu stimmen. Was für die Besucher durchaus interessant, ist für die Schauspieler eine wahre Herausforderung – müssen sie doch gleich zwei Stücke beherrschen. Dabei war der Aufführung wirklich nicht anzumerken, dass hier keine Profis am Werk waren. Kurzweilig und intensiv verkörperten die Schauspieler ihre jeweiligen Charaktere und spielten sie durchaus glaubwürdig. Texthänger spielten sie gekonnt unter Regieassistentin und Souffleuse Alisa Ünalan weg. Und auch der Fall eines Bildes von der Wand wurde vom Ensemble gekonnt überspielt und in das Stück eingebunden, so dass immer noch die Frage offen ist: War es Zufall oder wirklich Teil der Aufführung? Die Besucher der zukünftigen Aufführungen werden des Rätsels Lösung kennen, ebenso, ob ihre Geschichte dann gut oder schlecht ausgeht. Im Buch jedenfalls nimmt sich der Mörder abschließend selbst das Leben. Diesen Ausgang hat Agatha Christie für die Bühnenfassung jedoch einst geändert. ´ Karten für die Aufführungen des Kleinen Theaters in den Räumen von „DansArt“, Am Bach 11, gibt es bei der Neuen Westfälischen, Niedernstr., 21-27, www.erwin-event.de. Termine: 19. Mai, 2., 15., 29. Juni, 13., 14. Juli, jeweils 19.30 Uhr.

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