Die Autorin und Schauspielerin Katrin Bauerfeind kommt mit ihrem Programm nach Bielefeld. - © picture alliance / Horst Galuschka/dpa
Die Autorin und Schauspielerin Katrin Bauerfeind kommt mit ihrem Programm nach Bielefeld. | © picture alliance / Horst Galuschka/dpa

Kultur Katrin Bauerfeind: „Ich will das Herz zum Hüpfen bringen“

Die Journalistin, Moderatorin, Buchautorin und Schauspielerin Katrin Bauerfeind (35) kommt am 
21. März in ganz besonderer Mission nach Bielefeld. Sie möchte herzlich und gemeinsam für die Liebe lachen

Friderieke Schulz

Frau Bauerfeind, welche Liebe empfinden Sie? Katrin Bauerfeind: Am besten immer so viele wie möglich. Deswegen geht es in meinem neuen Programm auch um Eigenliebe, Nächstenliebe, Liebe zu Freunden und der Heimat und jede Menge Hassliebe. Es gibt so viele Formen dieses Gefühls. Und doch heißen sie alle Liebe. Was bedeutet das eigentlich? Bauerfeind: Ich finde, dass Liebe immer eine Form von Nach-Hause-Kommen ist. Ganz egal, ob es Gegenstände oder Menschen sind. Haben Sie diesem Thema deshalb ein Programm gewidmet? Bauerfeind: Auch. Vor allem aber, weil da draußen so unglaublich viel Hass ist, und ich ein Gegengewicht schaffen wollte. Ich habe neulich zum Beispiel nur superkurz in zweiter Reihe geparkt, weil ich etwas von einer Freundin abholen wollte. Kurz rein, schnell wieder raus. Als ich wiederkam, hatte ich einen Zettel an der Windschutzscheibe, auf dem ich übel beschimpft wurde. Jeder kennt das. Innerhalb kürzester Zeit regt man sich selbst auf und fragt sich, was dem Typen überhaupt einfällt. Kurz darauf wurde ich selbst eingeparkt und weil ich so wütend war, hab ich auf die Rückseite meines Zettels auch einige Beleidigungen gepackt. Ich hänge den Zettel gerade an den Wischer, kommt eine Mutter auf mich zu, total freundlich, und ruft schon von Weitem, dass es ihr unfassbar leid tue, aber sie musste ihr krankes Kind schnell aus der Kita holen. Und was ist dann passiert? Bauerfeind: War mir total unangenehm mit dem Zettel, und ich dachte: So kommt der Hass in die Welt. Jeder kann ein Dominostein werden im „Heute kippt die Stimmung"-Tag. Deswegen bin ich dafür, dass wir den Leuten Zettel an die Scheibe hängen auf denen steht: Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Und Liebe. Bei Hass funktioniert die Spirale, vielleicht ja auch bei Liebe. Und vielleicht retten wir damit nicht die Welt, aber die Stimmung für ein paar Stunden, und vielleicht macht das den Unterschied. Das heißt, man darf nicht mehr ausrasten? Bauerfeind: Eheh! Nein. Doch auf jeden Fall. Das steckt im Mensch. Aber vielleicht kann man hin und wieder eine Ausnahme machen. Bei jedem Fünften vielleicht. Damit wäre ja schon was gewonnen. In Ihrem Programm geht es aber nicht nur um Hassliebe, sondern auch all die anderen Formen. Worauf kann man sich einstellen? Bauerfeind: Ha. (lacht) Wir lachen für die Liebe. Ich erzähle lustige Geschichten zum Thema, mit all seinen Facetten. Auch nachdenkliche Momente, denn auch das gehört zur Liebe. Es geht um die komischen Seiten dieses Gefühls und Geschichten, die man sich mit Freunden an launigen Abenden erzählt. Diese „Weißt du noch?"-Geschichten, bei denen alle unterm Tisch liegen vor Lachen. Haben Sie so viele komische Sachen in der Liebe erlebt, oder woher stammt der Stoff? Bauerfeind: Wie immer aus dem Leben. Aus Erzählungen, Erlebnissen, Erfahrungen. Meine eigenen, die von Freunden, aus Beobachtungen im Alltag oder Dingen, die man liest. Ich beschäftige mich ja mit sehr alltäglichen Dingen, und die findet man überall. Ich habe alles eingesammelt. Hauptsache Spaß und Liebe. Wie viel Wahrheit steckt dahinter? Bauerfeind: Immer ein wahrer Kern. Es ist aber nicht wichtig, wer die Geschichten erlebt hat. Bei der ersten großen Liebe ist nicht wichtig, ob man meine Geschichte erlebt hat, aber jeder weiß, was gemeint ist und kann in der eigenen schwelgen. Darum geht’s. Wie zum Beispiel? Bauerfeind: Bei meinem ersten Date mit meiner ersten großen Liebe war ich im Kino in diesem unglaublich unromantischen Film „Cool Runnings". Ich meine: Da geht es um Bobfahren. Das ist schwierig, wenn man knutschen will. Aber nach einer Stunde riss er meine Hand und hielt sie für den Rest des Films fest. Die Hände waren irgendwann total nassgeschwitzt und ich dachte: Das ist das Aufregendste, was mir bis jetzt passiert ist. Jeder hat so eine Geschichte und kennt dieses Gefühl. Warum wählen Sie Geschichten als Unterhaltungsform? Bauerfeind: Naja, lustige Kurzgeschichten sind meine Form, mich auszudrücken. Ich will das Herz zum Hüpfen bringen. Man soll rausgehen und sagen: Das war gut fürs Herz, ich rufe mal wieder meine Mutter an und sage ihr, dass ich sie lieb habe oder gehe mit meiner Freundin einen Kaffee trinken, obwohl’s echt eng wird diese Woche. Sie hatten ja schon eine Vorpremiere. Wie ist das Programm angekommen? Bauerfeind: Sehr gut. Es wurde sehr viel gelacht. Auch die Männer? Bauerfeind: Klar. Die kommen hinterher und sagen: Selbst ich als Mann hab gelacht. Als sei ein Witz weniger lustig, wenn er von einer Frau gemacht wird. Ich kann die Männer also nur ermutigen, keine Angst zu haben. Auch nicht, weil es um Liebe geht, denn: Man kann sich leichter am Hintern als am Herz kratzen. Für alle, die fürchten es könnte kitschig werden. Sie sind ja nicht zum ersten Mal in Bielefeld. Haben Sie einen Lieblingsplatz? Bauerfeind: Nee, tatsächlich noch nicht. Aber vielleicht kann mir ja jemand was empfehlen? Ein schönes Café oder irgendwas, das ich unbedingt gesehen haben sollte. Ich schätze, da kommen so einige Tipps zusammen. Vielen Dank für das Gespräch.Bis bald. Bauerfeind: Ja, bitte, sonst sitz ich immer neben dem Café, das grade angesagt ist. (lacht) Wie gesagt – immer her damit. Bis bald.

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